Pressestimmen

 


Veranstaltungen 2017


Mehr kontrastreich als verrückt
Das Streichquartett Tangente Quattro gastiert bei Musik aus Dresden


Schon das Vorkonzert von Musik aus Dresden in der katholischen Kirche Birkenfeld fällt kontrastvoll, wenn auch sehr lieblich aus: Rein und fein singen die fünf Nachwuchssängerinnen von „Fleur Rouge" der Jugendmusik schule Neuenbürg „Let it be", „Im schönsten Wiesengrunde" und „Hallelujah" unter der neuen Leitung von Miriam Kurrle. Temperamentvoll dann das erstmals gastierende Dresdner Streichquartett Tangente Quattro, dem mit Alexandra Vrebalovs „Pannonia Boundless" (Grenzenloses Pannonien) ein tänzerisch - mitreißender Einstieg gelingt. Schon allein das innige Solo des Bratschisten lässt aufhorchen. Der verheißungsvolle Abend unter dem Titel „Groove der Klassik" scheint sich also zu erfüllen.

Doch ganz so „überraschend verrückt" ist das Konzert von Anja Krauß (Violine und Moderation), Franz Schubert (Violine), Heiko Mürbe (Viola) und Ulrich Rüger (Cello) dann doch nicht. Stevie Wonders „Sir Duke" kommt erst bei der Zugabe, George Gershwins schwungvoll-groovige Fantasie über Themen aus der Oper „Porgy and Bess" als letztes Stück.
Dazwischen gibt es Tangos, Filmmusik und teils folkloristische und traurige Melodien aus England, Portugal oder Mexiko. Eine musikalische Reise also, die die vier mit Herzblut beschreiten. Denn eines ist sicher: Die Streicher, die bei der Staatskapelle oder Philharmonie Dresden engagiert sind, sind exzellente Musiker, überzeugen in Spieltechnik und Ausdruck. Und wenn die Gei gerin gerne nah am Steg knarzt -etwa bei dem rhythmisch eigen willigen Stück „Se Me Hizo Fäcil" von Agustin Lara oder bei „Four for Tango" von Astor Piazzolla -dann ist das durchaus so gewollt.

Markant bei der Piazzolla-Interpretation sind vor allem die pfeif artigen Bogenakzente, die stets wiederkehren. Bis auf diese originale Komposition für Streichquartett handelt es sich bei allen anderen Stücken um Bearbeitungen - teils von Cellist Ulrich Rüger, der dem Publikum durch seine Auftritte mit dem Karalis Cello Quartett bereits bekannt ist. Fernöstliche Klänge dringen bei „Morango... Almost A Tango" des chinesisch-amerikanischen Komponisten Thomas Oboe Lee durch.
Über einem dunklen Ostina-to-Rhythmus des Cellos entfalten besonders die Violinen einen tiefemotionalen Klangteppich. Ein zauberhaftes Stück, das auch ein bisschen in die Beine geht, ist „Tabu" der Kubanerin Margarita Lecuona. Mit französischem Charme kommt das englische „Salut Damour" von Edward Elgar daher, mit Melancholie und viel Gefühl durch den Geiger Franz Schubert „Gloomy Sunday" von Rezsö Seress.
Ein Programmzettel wäre angesichts der vielen unbekannten Titel schön gewesen. Kurzweilig ist das Konzert aber allemal.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung





Goldene Fühler reichen bis nach Birkenfeld
"Musik aus Dresden" im Zeichen des Jubiläums


Die Jubiläumsfeierlichkeiten von Pforzheim strecken ihre 250 Jahre alten goldenen Fühler bis in die Nachbargemeinde Birkenfeld und bewirken dort einen Auftakt der Veranstaltungsreihe „Musik aus Dresden" nach der Sommerpause der etwas anderen Art. Dieser beginnt im Foyer des Rathauses, wo am Samstagabend sieben Firmen unter dem Motto „Vom Goldschmiedebäuerle zum global agierenden Präzisionstechniker" ihre mitunter glänzenden, aber immer aufschlussreichen Produkte und Konzepte einer großen Interessen-Schar zeigen. Darunter auch eine Uhrenfirma aus Pforzheim, deren Firmengründer aber Anfang des 20. Jahrhunderts in Birkenfeld die ersten Uhren ticken ließ. Bevor dann im zweiten Teil des Abends der musikalische Teil im Sitzungssaal mit dem Duo „Perfetto" folgte.

Das Jubiläumsmäntelchen „250 Jahre Goldstadt" hängt sich Birkenfeld schon zu Recht um, hieß es doch laut Bürgermeister Martin Steiner früher: „Zum Schaffe geht man nach Pforze". Die so genannten Goldschmiedebäuerle hießen übrigens deshalb so, weil diese Menschen oft eine kleine Landwirtschaft hatten, die aber allein nicht zum Überleben ausreichte. Also ging man zum „Schaffe" in die Goldstadt, wo in der nicht zuletzt durch die Gas-Herstellung ab 1853 aufblühenden Uhren- und Schmuckindustrie genügend Arbeitsplätze vorhanden waren. Doch diesen Aspekt vertieft der Bürgermeister nicht, wer also einen historischen Vortrag er wartet hatte wurde enttäuscht. Das möchte er den Fachleuten über lassen. Steiner weist lediglich da rauf hin, dass Birkenfeld natürlich von der wirtschaftlichen Entwicklung Pforzheims profitiert habe. Auch in Birkenfeld siedelten sich dann laut Steiner namhafte Schmuckfirmen an, die es zum Teil aber nicht mehr gibt.

Andere wiederum haben den bereits viel besagten Präzisions-Sprung in die heutige Zeit geschafft. Birkenfeld habe heute namhafte und weltweit operieren de Firmen und sei „gut aufgestellt". „Das weiß inzwischen jeder, dass es Birkenfeld gar nicht so schlecht geht und das haben wir primär unseren Firmen zu verdanken", so Steiner. Siehe Gewerbesteuer als wichtigste Einnahmequelle. Und so heiße es heute angesichts von „mehr Einpendlern als Auspendlern" zu 5 000 Arbeitsplätzen auch: „Zum Schaffen geht man nach Birkenfeld."

Erster Pforzheimer Bürgermeister Dirk Büscher, der neben Goldstadtkoordinator Gerhard Baral den Worten lauscht, schlägt in seinem Grußwort den Bogen in die heutige Zeit, schließlich ginge es nicht darum, nur „den goldenen Glanz der Vergangenheit zu feiern", sondern eben auch darum, „Tradition und Erbe mit der Zukunft zu verknüpfen". Stolz weist er auf die vom Goldstadtbüro organisierten 6060 Termine in „68 Locations" hin, mit derzeit 170 000 Besuchern. Wie oft man die ein oder andere Person mehrfach zählen muss schlüsselt die Aufzählung allerdings nicht auf.

Zum festlichen Auftakt mit der Würdigung der Birkenfelder Industrie passen die glänzenden musikalischen Akzente, die Robert Witt am Cello und Clorinda Perfetto am Flügel im Sitzungssaal setzen. Heiter, besinnlich, flott getragen - von Klassik bis Jazz und Tango beherrschen die Pianistin mit neapolitanischen Wurzeln und der Dresdner Cellist mit spielerischer Leichtigkeit viele Stile aus verschiedenen Epochen. Immer mit Herzblut und spürbarer (und natürlich hörbarer) Spielfreude vorgetragen.
Susanne Roth/Pforzheimer Kurier,

 


Herzensbrecher Waldemar ist wieder unterwegs
„Musik aus Dresden": Kecke Salondamen garnieren einen perfekten Sommerabend in Birkenfeld



Kein Scherz, der Waldemar ist immer noch unterwegs. Seit den 1920er-Jahren wickelt er die Damenwelt ein, bricht reihenweise die Herzen und doch: Man kann ihm nicht böse sein. „Ach, der Waldemar, der ist doch wunderbar", erfahren auch die gut 250 Gäste am Samstagabend im Birkenfelder Autohaus TRI AG. Dafür sorgt einmal mehr der Freundeskreis Musik aus Dresden. In der Konzertreihe des Vereins geht es oft auch klassisch ernsthaft zur Sache, aber eben auch mal heiter wie an diesem Sommerabend, als die „Dresdner Salon-Damen" in kecker Einheitskleidung auf die Bühne stöckeln. Ganz in bordeauxrot mit anständiger Rocklänge, Geschmeide um den lauthals von Liebe singenden Hals und oben drauf als i-Tüpfelchen ein Hütchen oder eine etwas ausladendere Rennbahn-Variante: Das Quintett ist eine Augenweide.

Aber es kommt noch besser: In den höchsten Tönen von Liebe und Liebesleid singen können die Damen und dazu noch hervorragend gut ihre Musikinstrumente von Flügel über Violoncello, Violine und Klarinette bedienen. Schließlich sind sie auch Profimusikerinnen. Aber das sind die Zuhörer ja schon nach dem ersten Teil gewöhnt, in dem wie immer die Jugendmusikschüler der Einrichtung Neuenbürg-Birkenfeld ihren Auftritt haben. Da lassen Nick Gengenbach, Felix Ladenburger (beide Klarinette) und Alexander Gorbachev (Bassklarinette) bereits munter die Fledermaus von Johann Strauss flattern. Gute Einstimmung für die heitere Zeitreise in die Jahrzehnte von 1920 bis 1950 und deren Salonmusik. Auch wenn es in erster Linie um Herzschmerz - natürlich verursacht von Waldemar - geht, kommt man doch auf heitere Gedanken. So ist sie halt, die Männerwelt. Ein Seufzen und weiter geht's zum nächsten Lied. Immerhin hat Waldemar ja sagenhaft gut geküsst und von der Erinnerung lässt sich schließlich auch ganz gut zehren. Man könnte auch gut räsonieren, warum das denn so ist mit den Männern, wie es eben ist. Liegt es am Altersunterschied (von zwei Jahren)? Weil das Komma auf dem Kontoauszug zu weit links ist? Dabei braucht die Dame doch nur Liebe, Liebe, Liebe und ein bisschen Musik, Musik, Musik. „Ich hab nichts gegen Leute ohne Geld. Muss ja nicht der eigene Partner sein", sagt Sängerin Susann Jacobi.

Die gut ausgebildete und erfrischend in der Zeit der 1920er- bis 1950er Jahre schwelgende Dresdner Salondamen sind ein guter, ein erfrischender Fang und genau passend mit ihren „hitzigen" Themen an einem lauen Sommerabend wie diesem. Und wie hat noch die künstlerische Leiterin von „Musik aus Dresden", Dorothee Schumacher, zu Beginn gesagt? „Da wird der ganze Stress abfallen.“ Welcher Stress? Nichts mehr davon zu spüren.
Susanne Roth/Pforzheimer Kurier


Mitreißende Klänge
Musik aus Dresden mit Orgel und Trompeten

 

Welch großartiges Zusammenspiel zwischen gerade mal zwei verschiedenen Instrumenten möglich ist und welch mitreißende Klangwelten sich dadurch kreieren lassen, bewies ein nicht weiter tituliertes Konzert für Trompeten und Orgel, das am Samstag in der evangelischen Kirche Birkenfeld veranstaltet wurde. Mit Ludwig Güttler und Johann Clemens an den Blasinstrumenten und Friedrich Kircheis am Tasteninstrument hatten die Macherinnen der lokalen Konzertreihe „Musik aus Dresden" abermals ein paar äußerst versierte Künstler aus dem Osten bei sich zu Gast, um den Abend mit anspruchsvollen klassischen Klängen zu gestalten.

Insgesamt elf verschiedene Stücke von Händel bis Bach gab es zu hören, wobei Güttler in seiner Rolle als Vordenker der Formation die Zusammenstellung wie folgt beschrieb: „Virtuos beginnen, virtuos enden - und dazwischen das Nachdenkliche mit dem Meditativen verbin den."

Bereits der Auftakt, ein Präludium und eine Fuge für die Orgel wusste aufgrund seiner entfesselten Klanggewalt zu gefallen. Dabei legte Organist Friedrich Kircheis eine schier unvergleichliche Spielfreude an den Tag, um das Kunst stück gegen Ende noch einmal mit einem eindrucksvollen Solo zu wiederholen. Dazwischen sorgten die beiden Trompeter für mancherlei Akzente: Mal melancholisch bis wehmütig, mal temperamentvoll im Spiel, gaben Güttler und Clemens in Kombination mit den Orgel klängen von Friedrich Kircheis eine an spruchsvolle Auswahl an Werken solcher Komponisten wie Jean Baptiste Loeillet, John Alcock oder Georg Philipp Telemann wieder, um auf der Empore nicht nur für entspannte Stille, sondern auch für aufmerksames Zuhören zu sorgen.

Den Anfang durfte, wie bei „Musik aus Dresden" so oft der Fall, eine junge Künstlerin aus den Reihen der Neuenbürger Musikschule gestalten: Nathalie Trautmann an der Violine, die sich ebenfalls einer Komposition aus der Feder von Johann Sebastian Bach angenommen hatte - dieses Mal einer Ciaccona aus der Partita II in d-Moll, die mit ihrer fehlerfreien Darbietung zu gefallen wusste. Die evangelische Kirche selbst zeigte sich fast komplett gefüllt, wobei die Besucher auf den unteren Rängen lediglich in den Genuss einer Videoübertragung der Geschehnisse weiter oben kamen, wohingegen sich das Klangerlebnis aber bis in den letzten Winkel entfalten konnte.
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier


Der Sensenmann kratzt an der Tür
Friedrich-Wilhelm Junge gestaltet Literaturabend


Der Sensenmann schipperte in einer comichaften Projektion auf dem Fluss, diverse Totenschädel hat er bereits im Gepäck: Ist das Älterwerden eine Kunst oder nur ein ganz natürlich-unabdingbarer Zustand? Für Friedrich-Wilhelm Junge, Theaterschauspieler aus Schwerin, und selbst rüstige 79 Jahre alt, ist unumwunden klar: „Altern ist nichts für Feiglinge", so der Titel eines humorvollen bis schwarzhumorigen Literatur- und Musikabends, der am Samstagabend unter der Beteiligung von rund 130 Besuchern in der Birkenfelder Tanzschule Löwen über die Bühne ging. „Man wird nicht klüger indem man altert, aber älter ohne klüger zu werden", so der stimmgewaltige und rhetorisch begabte Junge, der sich in gut anderthalb Stunden mit all dem befasste, was passiert, wenn sich die Lebenszeit unweigerlich dem Ende zuneigt: So werden die Stufen höher und die Schrift immer kleiner, womit das Älterwerden nicht nur eine Kunst, sondern auch eine Belastung darstellen kann, aber nicht muss.
Da zitierte der durchaus agile und vitale Junge aus „Der Kaiser und die Nachtigall" von Hans Christian Andersen um postwendend zur römisch mythologischen Sagengestalt „Aurora, Göttin Morgenröte", überzuleiten, während die Michael-Fuchs-Band aus Dresden das Geschehen mit einer Mischung aus Jazz, Swing und Chanson untermalte.
Dass das Altern auch etwas höchst Skurriles an sich haben kann bewies diese (frei erfundene) Episode aus dem Alltag: Eine bereits betagte Dame bringt ihrem Busfahrer je den Tag eine Tüte mit Haselnüssen mit. Der Fahrer freut sich zwar, doch eines Tages fragt er sie, was das Ganze eigentlich soll? Tja, meint die ältere Dame: Sie esse so gerne Ferrero Rocher - nur die Nüsse könne sie eben nicht mehr so richtig beißen.
Dem Nachwuchs eine Chance geben wollten die Veranstalter der Birkenfelder Konzertreihe „Musik aus Dresden" bereits zum Auftakt: Mit Mira Heller (Gesang, Gitarre) und Eric Heinkel (Klavier) gab es besinnliche Popsong wie etwa „Sunny" von Bobby Hebb oder „Where is my mind?" von den Pixies zu hören.
Beide Nachwuchskünstler sind der zeit in der Musikschule Neuenbürg eingeschrieben.
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier


Nachwuchsmusiker trumpfen auf
Auftakt von „Musik aus Dresden" in Birkenfeld - Preisträgerkonzert mit 17 Kindern

 
Ein beeindruckendes Konzert gaben die Preisträger der Jugendmusikschule Neuenbürg im Martin-Luther-Gemeindehaus in Birkenfeld. 17 Schüler, die erfolgreich am Regional-wettbewerb „Jugend musiziert" in Nagold teilgenommen hatten, zeigten ihr Können auf der Violine, am Klavier oder im Ensemble. Einige fiebern bereits dem Landeswettbewerb entgegen.

„Traditionen sind eine schöne Sache", freute sich Dorothee Schumacher, dass junge Talente bereits zum zehnten Mal die Reihe „Musik aus Dresden" eröffneten. Diese stoße räumlich und organisatorisch an ihre Grenzen, so die Künstlerische Leiterin. Landes weit einmalig seien die Vorkonzerte der Musikschüler bei allen Konzerten.


Schwungvoll in den Abend geleitete das Saxofon-Trio Richard Babichev, Nicolas Bubser und Juliane Neumann mit drei Miniaturen. Im Streicherduo trat das her zige Schwesternpaar Evelyn Bao-Chau Vu (6 Jahre) und Marleen Bao-Kim Vu (9) auf. Auf teils winzigen Geigen meisterten die zwei begabten Mädchen ein Menuett von Bach. Die zarte Evelyn trat zu dem in der Kategorie Klavier an und führte eine Sonatine vor. Mit vier Kindern war die Familie Vu aus Waldrennach vertreten. Am Klavier gestaltete Lilly Nhat Quyen Vu (12) Schuberts „Impromptu" As-Dur mit vollem Klang, Bruder Samuel Thien Bao Vu (13) beeindruckte mit einer energischen Darbietung von Brahms' Rhapsodie g-Moll.
 
„Von den Kindern wurde ein sechs- bis zehnminütiges Programm gefordert, von den älteren bis zu 15 Minuten. Das ist eine ganze Menge", sagte Musikschulleiter Christian Knebel, der durch das Programm führte. Von der kleinsten Altersklasse bezauberten auch Leni Decker, Rebekka Wittmann und Charis-Joy Oelschläger mit pfiffigen Klavierstücken. Lustig, flott und sprunghaft gestalteten zudem Christina Safaridis, Sina Gößner und Franz Ladenburger ihre Beiträge am Flügel, Franz setzte sogar die Kraft seines Ellenbogens ein.
 
Zu den fortgeschrittenen Pia nisten gehörte Katja Pirker, die das „Venezianische Gondellied" von Mendelssohn mit viel Gefühl versah. Der Ältesten, Leonie Kristin Brauns (17) aus Straubenhardt, gelang ein anspruchsvolles Stück von Rachmaninow mit Wucht. Auch talentierte Sängerinnen begeisterten die Zuhörer, Ronja Hornschuh mit ihrer zarten Stim me und Marie Näher mit ihrer um werfend selbstbewussten Präsentation von „Ex's & Oh's". Anthony Muresan war wegen eines Vertrags mit der Frankfurter Oper nicht da bei.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung



Veranstaltungen 2016


Streicheleinheit im Vorweihnachtsstress
Ensemble „Calmus" singt „Christmas Carols"
Hommage an das Luther Jahr 2017


Die Augen der annähernd 300 Zuhörer sind zu Beginn des Abends noch geöffnet. Aber wohl auch deshalb, weil man die Mädchen und Frauen kennt, die im Altarraum der Evangelischen Kirche Birkenfeld stehen und ein besonderes Konzert eröffnen. Es ist ein Flötenensemble der Jugendmusikschule unter Leitung von Ulrike Sparn, das den musikalischen Boden für einen weihnachtlichen Hörgenuss für die Leipziger Sänger „Calmus" bereitet. Das Ensemble beschließt den Reigen der Veranstaltungen des Freundeskreises „Musik aus Dresden" für dieses Jahr. Und man kann sagen, dass die Jugendmusikschüler in der Tat einen roten Teppich ausrollen und sich richtig was traut mit „Allegro", der Sinfonie Nr. 4 von William Boyce etwa, oder der „letzten Umarmung" von Hieronymus Praetorius. Der Applaus ist zu Recht stark und lang anhaltend.

Am Eingang zur schmuckvollen Kirche Birkenfelds steht indessen schon das Ensemble aus Leipzig bereit: Isabel Jantschek (Sopran), Sebastian Krause (Countertenor), Tobias Pöche (Tenor), Ludwig Böhme (Bariton) und Manuel Helmke (Bass).

Von dort aus beginnen sie auch ihren gesanglichen Siegeszug durch den weihnachtlichen Abend. „Verleih uns Frieden gnädiglich" von Martin Luther, der - wie es heißt - einige gregorianische Gesänge in Choräle übertragen, wie auch die Bibel ins Deutsche übersetzt und neu „rhythmisiert" hat. Wie eben das „Da pacem domine" von Heinrich Schütz aus der Geistlichen Chormusik von 1648. Wie es in der Ankündigung des „Calmus"-Teils heißt, möchte man damit natürlich dem kommenden Reformationsjubiläum 2017 gerecht werden. Schließlich kommt man aus der Lutherstadt Leipzig.

„Christum wir sollen loben schon" aus Bachs Kantate ist eine weitere „Interpretation" von Luther. Und eben da schließen manche Zuhörer schon die Augen, lehnen die Köpfe aneinander, um bewusst die klaren Gesänge zu hören, die sich in der hervorragenden Akustik der Kirche wunderbar entfalten können wie Schmetterlinge in der Sommerluft. Vor allem der Sopran macht Kapriolen, wird aber von den restlichen Stimmen immer wieder „geerdet" und sanft beschützt auf den Höhenflügen.

Die fünf Interpreten bleiben nicht in Deutschland, es soll schließlich wie angekündigt um „Christmas Carols" -Weihnachtslieder aus aller Welt gehen. „Und zwar klimaneutral, das ist das Gute daran", heißt es zur Begrüßung. Keine schlechten ökologischen Fußabdrücke werden hinterlassen, schließlich gehe es in den Liedern auch oft um Weihnachten im Schnee. „Man weiß wie nie, wie lange wir das noch haben."

Fußabdrücke werden nicht hinterlassen, aber nach wenigen Minuten schon akustische Sinneseindrücke, die nachhallen. Glasklar lehnen sich die Stimmen von „Calmus" aneinander, beflügeln sich gegenseitig, geben sich Halt und schubsen sich sanft an, um sich zu einem satten, emotionalen und doch auch klar strukturierten Klangkörper zu verflechten. Eine schöne Geste und keineswegs störend ist die Tatsache, dass sich die Ensemble-Mitglieder auch singend immer wieder verteilt im Kirchenschiff neu postieren und so den ganzen Raum zu einem einzigen Hörerlebnis machen.

So gelangt man als Zuhörer im Nu durch Kroatien, Argentinien, lauscht
den „Twelve Days of Christmas“ in England und den USA, treibt in Irland die Schafe zusammen und erblickt in Frankreich „les anges“ - die Engel.

Eine Kollage , die die Seele der Alltagsmüden und Vorweihnachts - Gestressten streichelt.
Susanne Roth/Pforzheimer Kurier



Paganinis Saitengewitter
Florian Mayer lässt "Teufelsgeiger" lebendig werden


Beherrscht er das Instrument oder beherrscht die Violine ihn? Ais verrückt, wenn nicht gar von der Musik besessen, wurde er oft bezeichnet, der italienische „Teufelsgeiger" Niccolo Paganini (1782 bis 1840). Am Samstagabend lag es nun an dem Dresdner Violinisten Florian Mayer, diese legendäre Gestalt der klassischen Musik wieder lebendig werden zu lassen.

„Teufelstanz - Teufelstriller - Teufelsgelächter" lautete der Titel des rund zweistündigen Programms, mit dem der Virtuose aus dem Osten vor rund 120 Besuchern in der Birkenfelder Tanzschule „Löwen" gastierte. Bereits zum Einmarsch bewies der 42-Jährige eine ungeheure Fingerfertigkeit, die sich in einem regelrechten Saitengewitter widerspiegelte: „Paganini, und nur Paganini", lautete der Leitspruch des heutigen Abends, an dem das Repertoire nicht nur mit altbekannten Kompositionen in neuen Titeln, sondern auch mit etwas Comedy und selbstverfasster Lyrik angereicht wurde.

Fast ausnahmslos Capricen, also Musikstücke mit freiem interpretativem Spielraum, trug Mayer vor, um mit „Napoleons Einmarsch" nur einen von vielen Titeln zu nennen. In „Tod am Nachmittag" machte sich der Musiker Ernest Hemingways Stierkampfthema aus dem gleichnamigen Essay zu eigen, in „Paganinis verwegene Jagd" wurde das schnelle wie unangepasste Spiel des großen italienischen Vorbildes abermals übernommen, das sich keinen Konventionen unterstellte, sondern einfach nur dem perfekten Zusammenspiel des Violinisten und seines Instrumentes unter warf. Mit „Der Fliegenfänger" oder „Corrida" fanden weitere klassische Stücke zu ihrer Vertonung, mit „Sie und er" oder der „Fibel des Größenwahns" kamen dann auch noch ein paar selbstverfasste wie neu interpretierte Gedichte zum Tragen. Früh übt sich, wer später mal in Paganinis Fußstapfen treten will: So wurde der Auftakt von Natalie Trautmann (Jugendmusikschule Neuenbürg) gestaltet, welche in diesem Jahr bereits den zweiten Platz beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert" erklimmen konnte.

Zu hören gab es neben einer polnischen Caprice auch die Fantasie Nummer eins in B-Dur aus der Feder von Georg Philipp Telemann. Veranstaltet wurde der Klassikabend im Rahmen der Birkenfelder Konzertreihe „Musik aus Dresden".
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier

 

Bunter Reigen der Nationalhymnen
Kinderkonzert "Runder Ball" bot Wissenswertes aus der Fußballwelt


Fußball und Musik: Wie geht das zusammen? Ziemlich einfach, fanden die Birkenfelder Kinder und hatten auch gleich die passende Antwort parat: Nicht nur bei den Fangesängen im Stadion (zum Beispiel zu „Oh, wie ist das schön..!") wird ordentlich geträllert, sondern auch zu den Nationalhymnen des jeweiligen Landes gesungen. Vor allem den Hymnen widmeten die Verantwortlichen der Birkenfelder Gemeindebibliothek sowie der örtlichen Konzertreihe „Musik aus Dresden" am Samstagvormittag eine ganz besondere Veranstaltung: „Runder Ball" lautete der Titel eines Kinderkonzertes in der Aula der Ludwig-Uhland-Schule, zu dem rund 50 Besucher erschienen waren.
Gastmusiker war der aus Dresden stammende Violinist Florian Mayer, der nicht nur sieben Nationalhymnen anspielte, sondern allerhand Wissenswertes um die „Erkennungsmelodie"' eines jeden Landes weitergab. So wäre die spanische „Marcha Real" (auf deutsch: „Königlicher Marsch") eine der wenigen Hymnen, bei der nicht gesungen wird, während es den „Schweizer Psalm" in sage und schreibe vier Sprachen (deutsch, französisch, italienisch, rätoromanisch) gibt.

Um heldenhafte Seefahrer und Eroberer geht es im Text der portugiesischen
Nationalhymne, um die Schönheit des Landes in der tschechischen. Mayer, laut eigenen Aussagen selbst ein leidenschaftlicher Hobbyfußballer, stimmte zudem die Hymnen der Türkei, von Wales und zu guter Letzt auch die von Deutschland an, um den musikalischen Bogen noch ein wenig auszuweiten. Hingegen brauchte wohl kaum jemand große Vorkenntnisse oder fußballerischen Sachverstand, um zu erkennen, um wen es sich bei der Anspielung in Bezug auf die Spaßfigur Franz Beckenhauer wohl handeln könnte.

Mit Auszügen aus dem humorvoll illustrierten Kinderbuch „Wie Kaiser Franz den Fußball erfand“ gab Büchereileiterin Petra Kunzmann Einblick, wie König Fußball das Licht der Welt erblickte, dass man diese Sportart nicht mit der Hand praktiziert und wie das Land von Kaiser Franz - Leopoltanien - zum ersten WM-Sieger überhaupt wurde.
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier




Erfolg trotz Panne
Das Programm muss bei „Musik aus Dresden" beinahe improvisiert werden

 


Um Luft dreht sich alles bei „Musik aus Dresden" in dieser Saison. Beim unterhaltsamen, mit „BlechReiz" überschriebenen Konzert des Philharmonie Brass Dresden im stickig heißen Autohaus in Birkenfeld erhält das Thema eine essenzielle Bedeutung. „Der Programmzettel hat einzig den Zweck, sich Luft zuzufächern. Der Inhalt ist nicht so wichtig", erklärt sogleich Mathias Schmutzler, der verschmitzt durch den Abend führt.

Vor einigen Wochen sei dem Blechbläserquintett nämlich eine Panne passiert. Jemand habe sich nach einem Konzert über die Noten hergemacht, die bis heute nicht aufgetaucht seien. Deshalb müsse das Programm ein wenig improvisiert werden. Ins Schwitzen bringt das Mathias Schmutzler (Trompete), Peter Roth (Trompete und Flügelhorn), Erich Markwart (Horn), Olaf Krumpfer (Posaune) und Jens-Peter Erbe (Tuba) aber nicht, die Hitze dagegen schon. Und so kommen sie schon nach der barocken Purcell-Sonate in C-Dur und dem klanglich ebenso besonders warmen Händel-Largo aus der Oper „Xerxes" zur ersten Zugabe - scherzhaft natürlich.

Regelrecht erfrischend wirkt Mozarts „Alleluja" aus „Exultate jubilate", beschwingt und leicht auch Bachs „Mein gläubiges Herze" aus der Kantate „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch" (BWV 68). Und damit die Zuhörer nicht nur fächern, sondern auch mitsingen, stimmen die bestens aufgelegten Musiker Webers Oper „Freischütz" an, die sie an der Semperoper öfter auf dem Programm haben.

Doch nicht nur die simple Mitmach-Stelle des Jägerchors sorgt für heitere Stimmung. Auch die musikalische Reise von Mexiko nach Frankreich und Spanien im zweiten Teil verwandelt das Autohaus fast in einen Tanzsaal. Da wird mit Shakern und Klanghölzern eine lebhafte Rumba musiziert. Da tritt der Hornist mit einem gefühlvollen, ruhigen Tango von Isaac Albeniz hervor. Und da entspinnt sich ein herrlich neckischer Wettstreit zwischen den
Trompetern bei dem südländisch klingenden Traditional „La Virgen de la Macarena".

Dass sie nicht nur spielfreudig sind, sondern auch virtuos, stellen die Bläser bei Beethovens „Freude schöner Götterfunken" unter Beweis. Wunderbar, wie sie das Stück klanglich aufbauen, immer mehr Stimmen untermischen und facettenreich gestalten. Auch das blendende Solo von Peter Roth bei „Amazing Grace" überzeugt.

Zur Krönung mixt das Quintett das „Halleluja" aus Händels „Messiah" mit „The Saints' Halleluja" von Luther Henderson - und erntet verdienten Beifall. Den erhielten auch Nick Gengenbach (Saxofon), Melanie Kurz (Klarinette) und Alexander Gorbachev (Bassklarinette) nach ihrem Vorkonzert.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung

 

Flotte Sohle aufs Parkett gelegt
Musiker bieten 230 Zuschauern unbefangene Leichtigkeit mit Jazz und Dixieland



„Willkommen in Deutschland - Musik macht Heimat" lautete der Titel des zweiten Konzertes der Birkenfelder Veranstaltungsreihe „Musik aus Dresden", zu dem die Organisatoren um Dorothee Schumacher die Jazzformation „Elb Meadow Ramblers" aus besagter Sachsenmetropole verpflichten konnten. Rund 230 Besucher hatten sich am Samstag auf dem Pausenhof der Ludwig-Uhland-Schule versammelt, um in einer Mischung aus Konzert und sommerlicher Hocketse einen unbeschwerten Abend zu verbringen. Der Auftakt blieb da bei einem jungen Lokalmatador überlassen, der bereits im Mai von sich reden machen konnte: Daniel Salzmann von der Jugendmusikschule Neuenbürg, der beim Musikwettbewerb „Jugend musiziert" in Kassel den ersten Platz der Kategorien Tuba und Akkordeon belegen konnte. In Begleitung seines Lehrers Frank Göbel am Klavier blieb der junge Künstler auch heute seinen etablierten Instrumenten treu. Beschwingt ging es bei den „Elb Meadow Ramblers" zu, die heiteren und temporeichen Jazz von Duke Ellington bis George Gershwin präsentierten.

Bereits 1955 wurde die momentan acht Mitglieder zählende Formation gegründet, deren Besetzung sich im Laufe der Jahrzehnte Veränderungen ausgesetzt sah, sich jedoch stets dem Swing und dem Dixieland verschrieben haben. Mit dem neunten Auftritt in Birkenfeld wurde abermals eine flotte Jazz-Sohle aufs Parkett gelegt, was mit Liedern wie „Oh Lady, Be Good", „The Jeep Is Jumpin", „There will be another you" oder „Someday You Will Be Sorry" (Letzteres wurde mehrfach von Louis Armstrong interpretiert) ein ums andere Mal unter Beweis gestellt wurde: Musik, die ins Blut und in die Beine ging, die zum Mitwippen und Mitklatschen einlud. Ein Sommerkonzert von unbefangener Leichtigkeit, das von rhythmischen Takten und einem heiteren Dauertempo getragen wurde. Sogar deutsches Liedgut hatte seinen Weg auf die Setliste gefunden: „Bei mir bist Du schön" beispielsweise oder auch „Mackie The Knife", der englischen Adaption von „Die Moritat des Mackie Messer" aus der Dreigroschenoper von Bertold Brecht, die in ihrer jazzigen Vertonung für neuen musikalische Sichtweisen sorgte.
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier


Luftig-leicht und melancholisch

Eindrucksvolles Konzert zum Auftakt von „Musik aus Dresden" in Birkenfeld.


Eine Reihe von Schmuckstücken ist zum Saisonauftakt von „Musik aus Dresden" zu sehen und zu hören. Denn was die vier Solisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden bei ihrem ausverkauften Kammerkonzert im Rathaus Birkenfeld präsentierten, war einfalls- und kontrastreich zu gleich. Eine Art „Sandwichcolla ge", wie Flötist Bernhard Kury es bezeichnet, verbirgt sich hinter dem Programmtitel „Barock plus". Dabei werden barocken Werken von Telemann und Händel zeitgenössische Stücke von Crumb und Kurtag gegenübergestellt.

Um das Thema „Luft" - die Konzertreihe widmet sich jedes Jahr einem anderen der vier Elemente - auch klanglich zu beleuchten, werden einige Instrumente solistisch betont. Die Musiker, das sind Bernhard Kury (Flöte), Volker Hanemann (Oboe und Englischhorn), Matthias Wilde (Violoncello) und Jobst Schneiderat (Cembalo). An keinem gibt es etwas zu mäkeln, ihre Interpretation ist tonsicher, dynamisch differenziert und lustvoll. Ihr elegantes Erscheinungsbild passt zu den schmucken Instrumenten, dem roten Cembalo etwa mit seinem feinen, hellen Klang, oder auch dem Cello von 1874, das anstelle der Schnecke einen geschnitzt - geflügelten Engelskopf hat.

Zu jedem Stück und Komponist gibt es geistreiche Anekdoten - auch zum „Englischhorn“. So rühre der Name nicht etwa daher, dass das Instrument aus England stamme, sondern dass der Ursprung in der französischen Bezeichnung „cor anglé" (abgewinkeltes Hörn) liege. „Die Deutschen haben das nicht verstanden und Englischhorn daraus gemacht", er zählt Volker Hanemann, bevor er mit der um eine Quinte tiefer gestimmten Alt-Oboe zwei moderne Solowerke von Elliot Carter („A6: Letter, Letter") und György Kurtag („In Nomine") spielt - mit bestechender Klarheit. Das erste habe Carter zum 90. Geburtstag von Mäzen Paul Sacher geschrieben. Zufällig sei der ungarische Komponist Kurtag jüngst ebenfalls 90 Jähre alt geworden.

Bei seinem Stück gelingen dem Solisten lange, teils verzerrte und auf der Stelle tanzende Töne. Im Quartett eröffnen und schließen die Dresdner den Abend; Telemanns Triosonate für Flöte, Oboe und Basso Continuo aus der „Tafelmusik II" erklingt mit pfiffigen Wechseln und Trillern der Bläser in den Außensätzen - den vierten Satz gibt es noch einmal als Zugabe. Luftig - leicht ist auch der Kopfsatz aus Carl Philipp Emanuel Bachs Triosonate d-moll, dem ein beseeltes Largo folgt. Dass Telemann dessen Taufpate war, er wähnt Kury ebenso wie die politische Gefangenschaft des koreanischen Tonkünstlers Isang Yun. Sehnsuchtsvoll bringt der Flötist die meditativen Klangbilder bei Yuns „Der Eremit am Wasser" mit der Altflöte zum Ausdruck.

Auch aus „Chinesische Bilder“ stammt „Der Affenspieler", bei dem Trotz, Trauer und Tollerei hörbar werden. Überhaupt über zeugt der agile Flötist mit schlanken, leisen, aber auch scheinbar atemlosen Läufen - so bei der Flötensonate G-Dur des Bachsohns. Ausdrucksstark und leidenschaftlich ist auch das Solo des Cellisten mit George Grumbs melancholischer Sonata.

Im Vorkonzert musizierte die Bläserklasse der Jugendmusik schule Neuenbürg-Birkenfeld von Michael Pietsch mit Julian Kramer, Leonie Schneider, Nele Lechleiter, Julius Dauphin (Trompeten), Katrin Ganzhorn (Tenorhorn), Judith Anzer (Posaune) und Simon Ganzhorn (Tuba).
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung


 

 

Saisonauftakt gestartet
120 Besucher bei Konzertreihe „Musik aus Dresden"

 

Dass sich ein Stück des ungarischen Komponisten György Kurtág auch mit den Fäustlingen spielen lässt, zeigte am Samstagabend die sechsjährige Musikschülerin Gharis-Joy Oelschläger eindrucksvoll: Scheinbar zusammenhanglosen Klangfetzen folg ten experimentell anmutende Klaviertöne ohne erkennbare Struktur; vier Werke jenseits erkennbarer Sinngebung, die innerhalb von 90 Sekunden über die Bühne gingen. Äußerst schwierig zu spielen - und möglicherweise für manchen Zuhörer auch zu verstehen -, darf sich mittlerweile Charis-Joy als eine der Siegerinnen des Regionalwettbewerbs von „Jugend musiziert" wähnen, der Ende Januar in Wildberg bei Nagold stattfand.

Damit befand sich die Nachwuchspianistin in bester Gesellschaft, wurden zum Auftakt der Birkenfelder Konzert reihe „Musik aus Dresden" doch sämtliche Erstplatzierten der Neuenbürger Musikschule engagiert.

Die zwölfjährige Emilia Haefner etwa, die mit ihrem virtuosen Geigenspiel den Werken von Peter Tschaikowsky und Henryk Wieniawski frische Impulse einhauchte. Oder das Familienduo Nick und Luca Gengenbach, die in einer Saxofon-Klavier-Kombination „The Devil's Rag" von Jean Matitia und die „Suite Hellenique" von Pedro Iturralde auf besonders jazzige Weise zum Besten gaben.

Zu hören waren außerdem: die „Ma zurka" von Natalja Baklanova mit der fünfjährigen Evelyn Bao-Chau Vu mit der Geige, ein russisches Zigeunerlied für Klavier und Querflöte (vorgetragen von Béryl Greb und Emilie Marie Bauer), eine Sarabande & Allegro für Tuba und Klavier von Phoebe Bock und Viktoria Wittmann sowie ein weiteres Violinenstück, dieses Mal aus der Feder von Edward Mollenhauer („The Boy Paganini Fantasia"), das der zehnjährige Ignacy Brzecki im Alleingang interpretieren durfte.

Im zweiten Teil der Auftaktveranstaltung, zu der über 120 Besucher ins Martin Luther-Gemeindehaus gekommen waren, referierte die Pforzheimer Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch über die Dresdner Künstlergruppe „Die Brücke", die in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Avantgarde und des Expressionismus gehörten.
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier



Musik als Brücke der Begegnung
Blechbläserensemble begeistert bei „Dresdener Bläserweihnacht"
in der Evangelischen Kirche Birkenfeld

Was kann es Festlicheres zum Jahres ausklang eines mit hochwertigen Konzerten glänzenden Vereins geben als ein Bläserkonzert? Umso ergreifender wird solch ein Hörerlebnis zum einen in einer schönen und stimmungsvollen Kirche wie sie die Evangelische in Birkenfeld ist. Auch deshalb, weil es sozusagen gute, alte Bekannte sind, die die Saison des Vereins „Freundeskreis Musik aus Dresden" beschließen, und die von der Künstlerischen Leiterin und am Morgen des Tages noch mit Ehren überhäufte Dorothee Schumacher aufs Herzlichste begrüßt werden.

Schon vor 35 Jahren hat Ludwig Güttler mit seinem Blechbläserensemble im Auftrag des Freundeskreises gespielt. Gut 25 Jahre nach dem Fall der Mauer, gilt immer noch: Brücken schlagen mit Musik ist immer eine schöne Art der Begegnung.

Es ist also auch kein Wunder, dass die Zuhörer dicht an dicht sitzen, die traditionelle „Dresdener Bläserweihnacht" als ausverkauft bezeichnet werden kann. Stehplätze gibt es noch, aber auch auf der Empore sitzt man Schulter an Schulter. Die Zuhörer sind schon nach den ersten Trompetenstößen und dunklen Horntönen zu Henry Purcells „Trumpet Tune and Air" so gebannt, dass sie aus ihrer Bewunderungsstarre heraus gelöst werden müssen durch die Aufforderung Ludwig Güttlers, man könne ruhig auch Beifall spenden. Das tut das Auditorium dann auch reichlich, herzlich und lange bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Und das zu recht, nicht nur die Auswahl des Ensemble-Leiters in der Art der dargebrachten Stücke wie Intraden und Canzonen, stilisierten Tänzen und Sinfonien, zeigt die Bandbreite des Könnens des seit 1978 existierenden Ensembles. Auch die Auswahl von eher selten gehörten Stücken bereitet Freude und bringt Überraschung. „Nun komm der Heiden Heiland" bringt die Komponisten Wilhelm Friedemann Bach, Andreas Raselius, Friedrich Wilhelm Zachow und Johann Crüger zusammen.

Ihre ganze Bandbreite entfalten die Musiker, die sich zusammensetzen aus Solisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden, der Dresdner Philharmonie, des Gewandhausorchesters Leipzig und der Robert-Schumann Philharmonie Chemnitz, auch bei Variationen über „Es ist ein Ros entsprungen", was auch öfter ein Umsetzen der Musiker zur Folge hat, nur die Tuba bleibt wo sie ist - in der Mitte.

Immer schimmert die bekannte Melodie durch, die Variationen geben dem beliebten Lied einen frischen, neuen Glanz. Solcherart feine Kost, die die Seele streichelt, wird dem Publikum in gut zwei Stunden noch reichlich serviert. Und das dankt es über alle Maßen.

Das alles ist natürlich eine Motivation, um auch im neuen Jahr auf bewährte Art und Weise weiter zu machen. Da werden sich die „Fans" aber noch gedulden müssen, erst am 19. März geht es um 18 Uhr im Martin-Luther-Gemeindehaus weiter, mit Preisträgern von „Jugend musiziert" und einem Vortrag der Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch zum Thema „Aufbruch in die Moderne: Die Malerei der Dresdener Brücke".
Susanne Roth/Pforzheimer Kurier

 

„Nimmermüde Kämpferin"
Dorothee Schumacher mit Feierstunde bedacht

Bereits am 1. Oktober wurde die Birkenfelderin Dorothee Schumacher vom Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am Sonntag oblag es nun der eigenen Gemeinde, ihre verdiente Mitbürgerin für den jahrzehntelangen Einsatz in Sachen Kunst und Kultur zu würdigen.

Bei einer Feierstunde im Martin-Luther-Gemeindehaus kamen vor allem Weggefährten und persönliche Freunde zu Wort, die sich seit jeher in enger Verbundenheit mit Dorothee Schumacher und ihrer Konzertreihe „Musik aus Dresden" zeigen. Gemeindepfarrer Roland Kammerlohr ging in seiner Rede bis ins Jahr 1981 zurück, als die bis heute präsente Veranstaltungsreihe aus der Taufe gehoben wurde: „Schon hatte der künstlerische Austausch zwischen Ost und West erste Priorität", so Kammerlohr, der für die „nimmermüde Einzelkämpferin" Schumacher noch viele weitere lobende Worte fand - egal, ob es sich dabei um die private Beherbergung von Künstlern oder organisierte Konzert reisen von Birkenfeld in die Sachsenmetropole hinaus handelt. „Dorothee Schumacher hat sehr viel zum gegenseitigen Verständnis von Ost und West beigetragen", sagte Kammerlohr, um das Wort an Ludwig Güttler zu übergeben, einem mit zahlreichen Preisen überhäuften Trompeten-Virtuosen aus dem Erzgebirger Umland.

Dieser ging vor allem auf die Entwicklung der musikalischen Bildung in der ehemaligen DDR ein, während Christian Knebel, Leiter der Jugendmusik schule (JMS) Neuenbürg, einen historischen Exkurs ins 19. Jahrhundert unternahm, wo die ersten europaweiten musikalisch bedingten Netzwerke geknüpft wurden. Gemeinderat Joachim Hausmann (SPD) überbrachte in stellvertretender Funktion für Bürgermeister Martin Steiner weitere Glückwünsche - bereits im Vorfeld hatte die Geehrte einen Strauß weiße Rosen vom Rathauschef erhalten. Schumacher selbst, seit 40 Jahren im ehrenamtlichen Bereich aktiv, unterstrich, auch in Zukunft die „Kultur in Birkenfeld und dem Enzkreis am Laufen zu halten".

Begleitet wurde die Feierlichkeit von diversen Kindern und Jugendlichen der JMS, die zwar keine Musik aus Dresden vortrugen, wohl aber besinnliche wie temporeich-jazzige Klänge an der Blockflöte, am Saxofon und am Klavier darboten.
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier

 

 

Ehrungen



Dorothee Schumacher

wurde am 1. Oktober 2015 in Berlin durch Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Dazu teilte das Bundespräsidialamt mit:

Dorothee Schumacher hat sich in besonderer Weise um die deutsche Einheit verdient gemacht: Um Künstlern aus der DDR Auftritte im Westen zu ermöglichen, baute sie Anfang der 1980er-Jahre in ihrer Kirchengemeinde im württembergischen Birkenfeld die Veranstaltungsreihe "Musik aus Dresden" mit auf. Damit das Verständnis zwischen den Menschen aus Ost und West auch nach der Wiedervereinigung weiter gefördert wurde, hat Dorothee Schumacher die Veranstaltungsreihe fortgeführt, zunächst in eigener Regie, ab 1999 über den Freundeskreis Musik aus Dresden. Ihrem Einsatz sind bis heute sowohl ein vielfältiges Musikprogramm auf hohem künstlerischen Niveau als auch zahlreiche Begegnungen der Menschen beider Orte zu verdanken. Seit einigen Jahren widmet sich Dorothee Schumacher auch der musikalischen Frühförderung, vor allem für Kinder aus bildungsfernen Familien.
Oktober 2015

 

Pforzheimer Zeitung

 

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