Presse Archiv


25-jähriges Jubiläum

 

Veranstaltungen 2014

Trompeten jubilieren in schwindelnden Höhen
Prachtvolles Konzert des Dresdner Trompeten Consorts
in der Evangelischen Kirche Birkenfeld

Zum krönenden Abschluss des Veranstaltungsjahres des Freundeskreises Musik aus Dresden wurde das Konzert des Dresdner Trompeten Consorts, das in der evangelischen Kirche Birkenfeld unter dem Motto „Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten" stattfand. Mit weihnachtlichen Weisen stimmte das Bläser-Ensemble der Jugendmusikschule Neuenbürg mit Katrin Weiler, Maximilian Diller, Lukas Hutter und Michael Pietsch (Trompete), Elena Gall (Hörn), Katrin Ganzhorn (Tenorhorn), Ferdinand Pietsch (Posaune) und Simon Ganzhorn (Tuba) die Zuhörer ein.

Das Dresdner Trompeten Consort, begleitet vom Kreuzorganisten Holger Gehring an der Orgel, stellte sich mit der mitreißenden und temperamentsprühenden „Dresden Fanfare" von Torsten Pech vor. Zum Ensemble gehören neben dem künstlerischen Leiter Mathias Schmutzler, die Trompeter Tobias Willner, Peter Roth, Christian Wenzel, Peter Mönkediek, Christoph Reiche und Frank Hebenstreit sowie die Pauker Jong Yong Na und Simon Lauer. Auf das zeitgenössische Stück folgte Barockmusik. Frisch und akzentuiert erklang das Concerto Grosso D-Dur, von Gottfried Heinrich Stölzel mit typischer Terrassendynamik, gefolgt von Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitungen über „Nun komm der Heiden Heiland".

Nach dem Orgelintro jubilierten die Trompetenstimmen in schwindelnden Höhen, unterlegt von warmen Orgelbässen. Organist Holger Gehring glänzte virtuos mit der Suite „Aria per il Balletto e Cavallo" von Johann Schmelzer. Eine feierlichen Suite aus der Wassermusik von Georg Friedrich Händel, beendete den ersten Abschnitt des Konzerts. Ein sehr romantischer Moment war das „Pie Jesu" von Andrew Lloyd Webber, das die Bläser sehr gefühlvoll intonierten, und eine ganz große Nummer, das Trommelsolo „XXL für Pauken", bei der es die beiden Pauker Jong Yong Na und Simon Lauer in der Kirche ordentlich krachen ließen.

Schließlich versammelte sich das Ensemble wieder vor der Orgel zum majestätischen Abschluss mit Edwin Elgars Marsch Nr.1 aus den „Pomp and Circumstance Marches". Die dynamische und dramatische Interpretation mit großer klanglicher Dichte, bei der besonders auch der Organist eine Menge Arbeit hatte, mündete in stürmischen Applaus, für den sich die Musiker mit zwei Zugaben bedankten.

Eine Überraschung zum Schluss und gleichzeitig ein weiterer Höhepunkt, war der gemeinsame Auftritt des Trompeten Consorts und der Jugendbläser mit dem prächtigen „Tochter Zion". Da wurde es richtig Weihnachten, besser geht es nicht. Die Vorsitzende des Freundeskreises, Dorothee Schumacher, zeigte sich von der Musik überwältigt und sagte, das Konzert sei eine sehr schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit gewesen.
Bernd Helbig/Pforzheimer Kurier

 

Marie-Thérèse Zahnlecker beeindruckt
beim Sonderkonzert von „Musik aus Dresden“

Der Begrüßungsapplaus ist noch nicht ganz verhallt, schon greift Marie-Thérèse Zahnlecker in die Tasten. Mit zarter Hand schafft sie sofort eine von Aufmerksamkeit geprägte Stille, die bis zum Ende anhält. Für das Sonderkonzert anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Fördervereins von „Musik aus Dresden“ im vollen Rathaussaal Birkenfeld hat die junge, hier schon öfters gesehene Pianistin drei Kompositionen aus drei Epochen vorbereitet.

Mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge f-Moll BWV 857 aus dem ersten Teil des „Wohltemperierten Klaviers“ gelingt ein einfühlsamer Auftakt, der von tiefer Moll-Melancholie geprägt ist. Selbst bei der Fuge mit Halbtonschritten und Kontrapunkten überwiegt das Sanft-Behutsame.

Flink und filigran dann der Kopfsatz von Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 4, op. 7 Es-Dur. Auch hier wechseln schnelle Läufe und vibrierend-hämmernde Akkorde mit sachten Passagen ab. Bemerkenswert ist vor allem die Leichtigkeit der 22-jährigen Stipendiatin des Rotary-Clubs Enzkreis und mehrfachen Preisträgerin. Diese zeigt sich auch in den beiden ineinander übergehenden Schlusssätzen, die spritzig, träumerisch und federleicht wirken.

Sogar im breit und dynamisch sehr reizvoll gestalteten langsamen Satz kommt das lyrisch Feine gut zum Ausdruck. Ohne Pause interpretiert Zahnlecker noch Robert Schumanns ebenfalls in f-Moll geschriebene dritte Klaviersonate op. 14. Forsch auch hier der Zugriff auf das emotionale und mitreißende Werk, bei dem die grazile Künstlerin ihre Virtuosität unter Beweis stellt. Dem stürmischen Kopfsatz folgt ein demonstratives Scherzo.

Besonders innig gestaltet Zahnlecker die Variationen mit „Andantino de Clara Wieck“ im dritten Satz, bei dem die letzten, gleichbleibenden Akkorde wie Todesglocken wirken. Nach einem rauschend schnellen und kraftvollen Schlusssatz bleibt nur noch verdienter Beifall, für den sich die Pianistin mit einer bezaubernden „Regentropfen-Prélude“ von Chopin bedankt.

Das Konzert schwungvoll eröffnet hatten die jungen Saxofonisten Lili Depluet und Nick Gengenbach mit ihrem Lehrer Alexander Gorbachev von der Jugendmusikschule Neuenbürg.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung

 

Barocke Schmuckstücke
Konzert der Cappella Musica Dresden in Birkenfeld

Künstler aus Dresden waren am Freitagabend in der evangelischen Kirche in Birkenfeld im Rahmen der Konzertreihe „Freundeskreis Musik aus Dresden" zu Gast. Die „Cappella Musica Dresden" spielte in beeindruckender Weise Werke des 17. und 18. Jahrhunderts, aber leider blieben etliche Plätze frei.

Das Vorkonzert gestalteten drei junge Damen der Jugendmusikschule Neuenbürg / Birkenfeld, Jannika Botzenhardt, Annika Domschat und Luisa Domschat mit ihren Blockflöten. Nach einem Satz von   Benedetto   Marcello   erklang   die „Sonata prima" für Sopranblockflöte, ein anspruchsvolles Werk von Dario Costello. Bei dem folgenden Satz aus einer Händelsonate und der Aria für Alt-, Tenor- und Bassblockflöte von Johann Sebastian Bach zeigten die Flötistinnen ihre Gewandtheit und ihr gutes Zusammenspiel, aufmerksam von ihrer Lehrerin Ulrike Sparn am Cembalo begleitet. Es gab zu Recht viel Beifall.

Mit dem „Concerto grosso op. 6 Nr. 6" von Arcangelo Corelli eröffneten die zwei Damen und fünf Herren der „Cappella Musica Dresden" das Programm. Angesichts der von Georg Muffat aus Rom bezeugten Zahl von „100 und mehr Instrumentisten" für Aufführungen der Concerti grossi von Corelli erscheint das sehr gering, aber der Klang und die Einheit der Interpretation waren überragend, besonders die Bassgruppe fiel auf, Andreas Priebst Violoncello und Helmut Branny Kontrabass, der auch die Leitung hatte. Jeder der folgenden Solisten reihte sich nahtlos in das Ensemble ein. Bernhard Kury war der Solist im „Concerto La tempesta di mare" für Flöte, Streicher und Basso continuo von Antonio Vivaldi. Seine brillante Technik bestach, man spürte den Sturm und fühlte förmlich die Wellen im Meer.

Eine von zwei Erstaufführungen für die „Cappella Musica Dresden" war das „Concerto C-Dur" für Fagott, Streicher und Bc von Jan Antonin Reichenauer (um 1694-1730). Der Fagottist Erik Reike spielte mit schönem Ton und überlegener Technik das Werk, das im Aufbau profilierter ist als die meisten Werke Vivaldis. Das galt noch mehr für die folgende Erstaufführung, das „Konzert für Violine, Viola da Gamba, Streicher und Bc" von Johann Gottlieb Graun (1702/03 1771). Susanne Branny, die 1.Violine und Thomas Grosche mit seiner siebensaitigen Gambe stellten das Werk Publikum vor, ein Vorläufer der „Sinfonia Concertante" für Violine und Bratsche von Wolfgang Amadeus Mozart. Das umfangreiche dreisätzige Stück bietet den Solisten reichlich Gelegenheit, ihre technischen Fähigkeiten zu zeigen. Die Kollegen hielten sich zurück, so waren die Solostimmen immer gut zu hören, sei es im Duett oder auch in den häufigen Soli mit Akkorden und Terzpassagen.

Den Abschluss bildete eine souveräne Interpretation der „Suite Nr.2 h-moll" für Flöte, Streicher und Bc von Johann Sebastian Bach, ohne den leider häufigen Versuch, in der Badinerie einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen. Es gab für das großartige Konzert einen kräftigen Applaus für die Solisten und die Tuttisten, die aber auch alle solistisch tätig waren: Mechthild von Ryssel und Jörg Kettmann Violine, Michael Schöne Viola und Jobst Schneiderat Cembalo.
Pforzheimer Kurier Susanne Roth
 

Beißender Humor auf politischem Terrain
Bejubelter Auftritt der Kabarett-Profis der „Herkuleskeule" in der Birkenfelder Ludwig-Uhland-Schule

Der Spaß kommt zwar nicht aus „Gallensteins Lager", aber den zahlreichen Gästendes Freundeskreises „Musik aus Dresden" dürfte es vollkommen schnurz sein, aus welcher Ecke die Keule kommt. Hauptsache, sie wird auf der Bühne der Ludwig-Uhland-Schule voll Elan geschwungen. Und ja, das wird sie auf Einladung des „Freundeskreis Musik aus Dresden": Der Kabarettgruppe „Herkuleskeule" aus dem Osten, die mittlerweile 53 Jahre alt ist, geht noch lange nicht die Puste aus, auch wenn „Bestatten, ich bin der Bestattungsunternehmer Kremakowski" bereits unterwegs ist, um für jeden „ein offenes Grab“ zu haben. Das offene Ohr braucht er ja auch nicht, das haben die Gäste an diesem Abend. Und ein offenes Auge schadet auch nicht, wenn schon die Bundeskanzlerin - „die beste, die wir je hatten " - sich die Ehre erweist. Ruckelnd schiebt sich Brigitte Heinrich in den Merkel-Flunsch. Und die ist zwar unpolitisch am Werk, aber wandelbar: von der Jeanne d'Arc über Miss Marple, von der Uckermark bis zu Europas Domina beherrscht sie alle Rollen.

Wie eben auch die Herkules-Keulenschwinger, die zwar aufgrund eines Krankheitsfalles nicht Gallensteins Lager aufführen können, dafür aber mit „Heileits" aufwarten, derer es viele seit den Ursprüngen der auch schon vor dem Mauerfall als brisantes politisches Kabarett gefeierten frechen Mundwerke gibt. Brigitte Heinrich, Detlef Nier und Michael Rümmler servieren, die Musiker Jens Wagner und Volker Fiebig garnieren meisterlich mit Musik. Man muss aber gut hinhören, denn zumindest jeder politische Satz liegt auf dem silbernen Tablett und ist dazu angetan, der Verblödung und damit der Manipulation ein Schnippchen zu schlagen. Immer nörgeln finden sie gar nicht gut. stattdessen solle man sich doch lieber freuen, dass die Nato wieder zu ihren Wurzeln zurückkehre. War ja elend, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nur noch von Freunden umzingelt zu sein. Jetzt ist ja endlich der Russe wieder der Feind. Aber keine Sorge, mit der blonden Kampfdrohne werde alles gut - und mit Kindersitzen im Leopard II alles familienfreundlich. Na ja, immer noch besser, als von der Köhlerhütte in die Wulffschanze und von dort in die Gaucklerbude. Denn Hauptsache, die langweiligen Friedensjahre seien vorbei und die Sargfabrikanten feiern Wiederauferstehung. Gern auch mit dem Modell von „I geh ja" (Ikea) zum selbst Zusammenschrauben, getreu dem Firmenmotto „wohnst du noch oder stirbst du schon?". Doch die Rentner sind renitent und resistent, werfen euphorisch mit Stützstrümpfen und nerven mit ihrem Kukident - Lächeln. Nicht mal die Eskimos sterben. Wie auch, sie können ja nicht ins Gras beißen.

Manche Witze der Herkuleskeule mögen flach sein, am besten ist natürlich ihr beißender Humor auf politischem Terrain, aber schließlich ist da die Aufnahmefähigkeit maximal gefordert und da kann ruhig mal ein flacher Witz für Erholung im Oberstübchen sorgen. So oder so sind die Kabarett-Profis aus dem Osten ein Erfolg und ein Kassenschlager - das Feld haben wie immer Nachwuchs-Musiktalente aus der Jugendmusikschule Neuenbürg/Birkenfeld bereitet.
Pforzheimer Kurier Susanne Roth

Faszinierend flüssige Klänge vom Wasser

Von hinten füllen sie die evangelische Kirche mit ihren sakral anmutenden Stimmen. Je näher die Sänger des Auditivvokals Dresden zum Altar treten, desto mehr mischen sich eigenartige Blop- und Blubber-Geräusche unter den Gesang, ganz so, als tauche das Ensemble aus dem Wasser auf.

Mit dem ersten Teil von Raymond Murray Schaefers (1933 geboren) „Miniwanka or the Moments of Water“ beginnen die Vokalisten den Abend, der mit „Wassermusik“ überschrieben ist. Ein außergewöhnliches Programm hat Auditivvokal und sein Leiter Olaf Katzer für „Musik aus Dresden“ in Birkenfeld zusammengestellt. Eines, das sich ganz dem Jahresthema verschreibt. „Von der Quelle bis zum Meer erwartet Sie ein flüssiger Abend“, kündigt Bass Cornelius Uhle an. Neben Kompositionen von Händel, Bach und Brahms werden auch zeitgenössische Werke präsentiert, darunter ein uraufgeführtes Auftragswerk für „Musik aus Dresden“: Die Trauerkantate Nr. 2 „der traenen“ von Peter Motzkus (geboren 1986). Das Besondere: Solisten des Dresdner Barockorchesters begleiten das Vokalensemble auf historischen Instrumenten. Das von Violine (Karina Müller) eingeleitete Werk verbreitet zu Beginn eine tiefe Melancholie, die durch dissonante Sprengsel und zunehmend skurrile Züge an Spannung gewinnt. Deutliche Akzente setzt Thomas Friedländer am Zink, das wie Trompete und Blockflöte in einem klingt. Der Gesang ist eine Mischung aus einzeln verstehbaren Worten und Geräuschen. Plötzlich wandelt sich das Klangbild, zu dem auch Alexander Uhle (Bratsche) und Michaela Hasselt (Truhenorgel) beitragen, durch ächzende Stimmen. Die Sänger von Auditivvokal – Katja Fischer und Dorothea Wagner (Sopran), Julia Böhme und Stefan Kunath (Alt), Jonas Finger und Carl Thiemt (Tenor) sowie Timo Hannig und Cornelius Uhle (Bass) – sind ausgezeichnet klar und präzise mit Stimmgabel agierende Interpreten.

Vor allem aber zeichnet sich das Ensemble durch seine experimentelle Klangerzeugung aus. Klangvoll auch die Beiträge von Violinistin Margret Baumgartl. Zum Auftakt begeistert das Gitarrenquartett Pforzheim von Arthur Merkel.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung
 

 Humorvolle A-cappella-Kunst:
Calmus Ensemble Leipzig zu Gast

Mit Volks- und Kunstliedern, Balladen, Fabeln und einem ganz anderen „Schneewittchen“ war es zu seinem ersten Auftritt nach Birkenfeld gekommen – das Calmus Ensemble Leipzig. Am Ende war nicht nur die Organisatorin der Konzertreihe „Musik aus Dresden“, Dorothee Schumacher, begeistert von ihrem „persönlichen Wunschkonzert“ im Autohaus Tri AG Birkenfeld. Auch das Publikum zollte viel Applaus.

Im zweiten Teil des „FarbTöne“-Konzerts überzeugten Anja Pöche (Sopran), Sebastian Krause (Countertenor), Tobias Pöche (Tenor), Ludwig Böhme (Bariton) und Joe Roesler (Bass) auf ganzer Linie, trugen sie doch die Volkslieder wie „Der Mond ist aufgegangen“ oder „Die Gedanken sind frei“ in hoher Klangkultur vor.

Besonders schön gelang dem mit dem Echo Klassik ausgezeichneten A-cappella-Quintett die Interpretation von „Am Brunnen vor dem Tore“ mit der Melodie von Franz Schubert: Dieser zarte und ruhevolle Gesang, bei dem die Sopranstimme leicht in den Vordergrund trat, war ein berührender Moment. Ein Bruch in dieser Stimmung, aber ganz sicher ein Höhepunkt des Abends war die humorvolle Darbietung des „Mozärtlichen Schneewittchen“, angeblich einem „brillanten, bisher unentdeckten Frühwerk“ des Salzburgers. Das Singspiel mit Arien aus Mozarts Opern hat Fredo Jung (geboren 1949) musikalisch neu verpackt und mit dem Text von Angelika Eichhorn zu einer amüsanten Geschichte zusammengestellt. Mit Haar-Reif, roten Zwergen-Kappen und jeder Menge Spielfreude sang das Calmus Ensemble Ausschnitte aus der „Zauberflöte“, „Don Giovanni“ oder „Cosi fan tutte“. Köstlich vor allem der Tenor als böse kichernde Stiefmutter und der Bariton als schmalzig auftrumpfender Prinz.

Mit Leichtigkeit und klarer Tongebung gestalteten die exzellenten Sänger auch die Madrigale von Johann Hermann Schein oder die heiteren und melancholischen Lieder von Robert Schumann, etwa das getragene „Der König von Thule“. Hübsch ausstaffiert die von Kurt Thomas (1904 bis 1973) vertonten Gedichte nach Wilhelm Busch.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung

 

Gartenstadt Hellerau
Ein Modell für die Zukunft

Leben, Arbeiten und Kultur - diese Einheit ist das, was Hellerau auszeichnet. Und wofür die erste Gartenstadt Deutschlands im Norden Dresdens vielleicht in die Weltkultur- erbe-Liste der Unesco aufgenommen wird. „Es geht dabei nicht nur um den materiellen Baubestand, sondern auch um das kulturelle Leben", schildert Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch bei ihrem Vortrag über Hellerau zum Auftakt der neuen Saison von „Musik aus Dresden" im Rathaus Birkenfeld.

Selten, sagt sie, spreche sie über ein so aktuelles Thema wie dieses. Denn das Modell von Hellerau könnte sich als zukunftsfähig erweisen. Und sie erzählt nicht nur, wie es zur Gartenstadt gekommen ist, sondern auch, welche Renaissance sie seit der politischen Wende erlebte.

1909 begründete der kulturinteressierte Möbelfabrikant Karl Schmidt, der auch „Holz - Goethe" genannt wurde, die Siedlung Hellerau zusammen mit dem Neubau seiner „Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst". Er beauftragte den Architekten Richard Riemerschmid mit dem Plan. Es entstanden schlichte Holzhäuser für die Arbeiter, die erschwinglich waren. Schmidt wollte seine 500 Mitarbeiter gut behandeln - ein Denken, das zu dieser Zeit sehr fortschrittlich war. „Es war ein zutiefst humaner Geist, der da waltete", schildert die Kunsthistorikerin. In seiner eigenen Villa gingen Leute wie Kafka, Rilke oder Mann ein und aus. Bald wurde auch das Festspielhaus gegründet, das sich dank des Schweizer Musikpädagogen Emile Jaques -Dalcroze zu einem „Mekka für modernen Tanz" entwickelte. „Das Haus wurde inner halb kurzer Zeit aus dem Boden gestampft und war eine Sensation", erzählt Baumbusch. Auch heute noch sei es eines der bedeutendsten Zentren zeitgenössischer Künste in ganz Europa.

Beim musikalischen Teil des Abends beeindruckten die Preis träger des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert" mit beachtlichen Leistungen. Mit teils rasantem Tempo, Kraft und Ausdrucks stärke zeigten die vier- bis 18-jährigen Schüler der Jugendmusik schule Neuenbürg/Birkenfeld ihr Können. Am Klavier spielten Charis - Joy Oelschläger, Franz Ladenburger, Viktoria Wittmann, Phil und Luca Gengenbach, Leonie Brauns, Verena und Rebecca Pfaff, im Duo an der Violine Joyce Bock und Ignacy Brzecki.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung

 

Veranstaltungen 2013 

Mitreißend delikates Hörerlebnis
Trompeter Ludwig Güttier konzertiert mit „Virtuosi Saxoniae".
Barockklänge in der evangelischen Kirche stimmen Gäste feierlich.

Barocke Klänge erfüllten die evangelische Kirche in Birkenfeld. Mit einem Konzert des international geschätzten Trompetenvirtuosen Ludwig Güttler und dem renommierten Ensemble „Virtuosi Saxoniae" wurde die Reihe „Musik aus Dresden" glanzvoll fortgesetzt.

Zusammen mit dem von ihm gegründeten Ensemble „Virtuosi Saxoniae", dem nur Mitglieder der Staatskapelle Dresden angehören, gestaltete Ludwig Güttler am Freitagabend auf Einladung des Freundeskreises „Musik aus Dresden" ein Programm, das insbesondere die Freunde der festlichen Musik des frühen 18. Jahrhunderts in seiner künstlerischen Qualität beglückte.

Die junge Mezzosopranistin Stephanie Atanasov, die dem Ensemble der Staatsoper Berlin angehört, trug dazu bei, dass das Konzert in der voll besetzten Kirche einen andachtsvollen Charakter annahm.

In einem kurzen Vorprogramm profilierte sich ein fünfköpfiges Bläser - Ensemble der Jugendmusikschule Birkenfeld. Die Nachwuchsmusiker ließen anhand der Darbietung von vier Werken aus dem 18. Jahrhundert einen hohen  Ausbildungsstandard er kennen. Ludwig Güttler und die „Virtuosi Saxoniae" eröffneten das Konzert mit einer Sonate für Trompete, Streicher und Basso continuo von Andrea Grossi, einem nur noch wenig bekannten italienischen Barockkomponisten, die der Solist mit virtuosem, in hellleuchtender Fülle entfalteten Spiel auf seinem Instrument aus führte.

Mit edlem Streicherklang begleitete ihn das Ensemble, und es entstand, ähnlich wie im weiteren Verlauf des zweistündigen Programms, jenes brillant intonierte, in seiner elegant unbeschwerten und zugleich vitalen Ausführung mitreißende delikate Hörerlebnis, mit dem Güttler seit Jahrzehnten die Musikwelt begeistert.

Auch Kompositionen für Corno da caccia (Jagdhorn), Streicher und Basso continuo von Christian Förster oder Johann Joachim Quantz erlebten in dieser Weise vital bewegte, festlich stimmende Interpretationen.

Mit zwei Arien aus Kantaten von Johann Sebastian Bach sowie einer Motette von Antonio Vivaldi vermochte die in Wien 1983 geborene Mezzosopranistin Stephanie Atanasov in hohem Maße zu beeindrucken.

Ihre von warmem Timbre geprägte, im Ausdruck sehr wandlungsreiche und insbesondere in den Koloraturen überaus geschmeidig geführte Stimme zu hören, war Labsal für die Ohren. Innig und beseelt gestaltete die Mezzosopranistin die Bach-Arien, und auch in ihren Soli in der Motette von Vivaldi entfaltete Stephanie Atanasov eindringliche Andächtigkeit.

An der Ausführung der Bach-Arien war als weiterer Solist Frank Sonnabend an der Oboe oder der Oboe d'amore beteiligt, der mit sensibler, feinstimmiger Intonation beeindruckte. Zusammen mit den „Virtuosi Saxoniae" musizierte er auch ein Konzert G-Dur für Oboe d'amore, Streicher und Bas so continuo von Georg Philipp Telemann nuanciert und auf hohem virtuosem Niveau.
Rudolf Wesner/Pforzheimer Zeitung

 

Mit Humor und Seele:
Lieder mit Meisterschülern des Mozarteums

Vor einem Jahr nahmen sie am Meisterkurs von Kammersängerin Elisabeth Wilke auf Schloss Neuenbürg teil. Jetzt kehr ten Mezzosopranistin Kristina Busch und Bassbariton Siwoung Song zurück - mit einem Liederabend zum Thema „Sehnsucht". Im Rahmen von „Musik aus Dresden" im Birkenfelder Rathaussaal sangen die jungen Künstler mit Leidenschaft und Feingefühl. Vor allem Song stach mit seiner Gabe für das Zarte hervor. Etwa beim sensibel gestalteten „Urlicht" aus Mahlers „Des Knaben Wunderhorn", das von Jobst Schneiderat von der Semperoper Dresden mit äußerster Behutsamkeit am Klavier begleitet wurde.

Bei Mozarts „Abendempfindung" KV 523 sang er mit ganzer Seele von der „schönsten Perle". Auch kraftvolle Lieder wie „Ich grolle nicht" aus Schumanns „Dichterliebe" op. 48 meisterte der Koreaner mit eindrucksvollem Stimmvolumen. Im zweiten Teil des Konzertes, das mit einem beeindruckenden Programm von Luca Gengenbach (Klavier) und Jessica Kibardin (Klarinette) von der Musikschule Neuenbürg startete, offenbarte der 32-Jährige auch seinen Sinn für Humor. Köstlich sein „ermattet" bei Mozarts „An Chloe" KV 524 oder sein „schrie lange hinterher" bei Beethovens „Kuss".

Bei der stimmgewaltigen Kristina Busch fiel ihr Talent für das Spielerische auf. Sei es bei den Liedern der Maria Stuart op. 135 von Schumann oder bei den makellosen Sprüngen in „Freudvoll und leidvoll" aus „Egmont" op. 84 von Beethoven. Und der kokette Wechselgesang bei Brahms' Volksliedern „Feinsliebchen" oder „Wie komm ich denn zur Tür herein" war eine große Freude.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung


 
Konzert mit familiärer Atmosphäre
Freundeskreis Musik aus Dresden organisiert in Birkenfeld tolles Konzert mit den „Elb Meadow Ramblers"

Mit den „Elb Meadow Ramblers" kamen wieder alte Bekannte aus Dresden nach Birkenfeld. Wie immer spielten sie auf dem Hof der Ludwig-Uhland-Schule und erfreuten einige hundert Besucher mit bodenständigem Jazz, Swing und Dixieland.

Die Band wurde 1955 in den Elbwiesen gegründet. Von den Gründungsmitgliedern ist keiner mehr dabei. Ständig hat sich die Band verjüngt. Eines der Urgesteine ist Ronald Boldt. Er kam 1977 zu den „Elb Meadow Ramblers". „Ich bin jetzt das achte Mal in Birkenfeld", sagte der Gitarrist und Banjospieler. „Es war immer ein voller Schulhof", bilanzierte er. Man spüre das starke Bürgerengagement, das dahinter steckt. Es haben sich im Lauf der Jahre Freundschaften entwickelt, man besucht sich gegenseitig auch außerhalb der Konzerte.

Seit 1983 ist Frank Bartsch mit Trompete, Mundharmonika und Flügelhorn dabei. Er schätzt das herzliche Willkommen in Birkenfeld und die einmalige Betreuung. „Man kennt hier schon von jedem von uns die Vorlieben", sächselte Bartsch. Ein großes Lob hatte er für die Schüler der Jugendmusikschule Neuenbürg, die im Vorprogramm auftraten. „Es ist schon erstaunlich, dass sich jemand um so eine Minibesetzung kümmert", freute sich Bartsch. Für die Sängerinnen Lea Körner und Eva Scherf war es der Premierenauftritt, wobei ein wichtiges Thema im Vorfeld darin bestand: „Was ziehe ich nur an?" Am Bass begleitete Nikita Afanasiev, Gitarre spielte Bastian Buchgraber, am Keyboard Sina Fricker und am Schlagzeug Luca Gengenbach. Die „Ramblers" und das Publikum waren von der tollen Leistung der jungen Leute begeistert. Dorothee Schumacher, Vorsitzende des Freundeskreises Musik aus Dresden, überreichte jedem eine kleine Anerkennung. Zweck des Vorkonzerts von Musikschülern ist es, ihnen einen Auftritt vor richtigem Publikum zu ermöglichen. An der Besetzung der „Ramblers" wurde nur leicht etwas geändert. Bis auf Bartsch und Boldt sind alle Berufsmusiker. Angefangen haben sie 1955 als reine Amateure. Jürgen Umbreit spielt Piano, Paul Berberich Altsaxofon, Friedeman Seidlitz Tenorsaxofon, Bernd Sikora Schlagzeug und erstmals war auch eine Frau dabei, Sina Fehre am Kontrabass. Posaunist und Sänger Marc Hartmann übernahm die humorvolle Moderation.

Die „Ramblers" spielten neue und altbewährte Stücke auf ihre ganz eigene Weise mit vielen Soli und Improvisationen. Das Publikum konnte sich dem Rhythmus kaum entziehen und so wippten fast alle Füße unter den Tischen. In eine Spendenbox konnten die Besucher eine Flutopferspende einlegen, das dem Eselnest in Dresden zum Wiederaufbau nach dem Hochwasser ein Stück weiter helfen kann. Im Eselnest können Kinder den Umgang mit Tieren lernen und Kontakte knüpfen. Bis zum Ende des Abends waren 818 Euro in der Spendenbox.
Waltraud Günther/Pforzheimer Zeitung 

 

Von Ali Baba bis ABBA
Salzburg Comedian Harmonists begeistern bei „Musik aus Dresden“

Einen äußerst vergnüglichen Abend haben die Besucher des Konzerts „Reloaded“ am Freitagabend im Birkenfelder Autohaus Bäzner und Herzog erlebt. Auf Einladung des Freundeskreises „Musik aus Dresden“ waren die an unterschiedlichen Bühnen in Österreich tätigen Tenöre Philipp Caspari, Maximilian Kiener und Markus Schmid zusammen mit dem Bariton Erasmus Baumgartner und Josef Zwink (Bass) sowie dem Pianisten Klaus Eibensteiner ins Enztal gekommen, um bereits zum dritten Mal ihre klingende Visitenkarte abzugeben. Und, wie bereits bei früheren Konzerten, sorgten die Salzburg Comedian Harmonists nicht nur für volle Ränge, sondern auch für beste Unterhaltung – auf einem beachtlichen Niveau.

Dabei waren es nicht allein die von den Sängern altbekannten, teilweise aber neu arrangierten Titel, die die Konzertbesucher begeisterten. Auch die Präsenz der Sänger und die komödiantische Note des gelungenen Bühnenprogramms beeindruckten. Da wurden Titel wie „Wochenend’ und Sonnenschein“ ebenso zu einem Erlebnis wie „Ali Baba“ oder „Lass mich dein Badewasser schlürfen“.

Dass sich die Salzburg Comedian Harmonists musikalisch und darstellerisch aber nicht nur gerne in den 1920er-Jahren tummeln, sondern sie auch ein Faible für moderneres Liedgut haben, zeigten sie mit der vom Publikum begeistert aufgenommenen Darbietung von ABBAs „Dancing Queen“. Dabei brachten Caspari, Kiener, Schmid, Baumgartner und Zwink auch ihre Körper im Licht der gleißenden Scheinwerfer gehörig in Bewegung und sorgten dafür, dass die Konzertbesucher sich köstlich amüsierten.

Gelungen hatte sich vor den Profis bereits der Nachwuchs bei einem Vorkonzert der Musikschule Neuenbürg präsentiert. Rebecca Pfaff, Raphaela Jonait und Alina Steiner sorgten mit ihren Solodarbietungen wie „Roter Mohn“, „Das gibt’s nur einmal“ oder „I Could Have Danced all Nigth“ für ein gelungenes Aufwärmprogramm, das seinen Höhepunkt in dem von den Dreien gemeinsam gesungenen „Mit Musik geht alles besser“ fand.
Ralf Recklies/Pforzheimer Zeitung 

 

 Mit ausdrucksvoller Leichtigkeit
Pianist Vadim Chaimovich eröffnet neue Saison von „Musik aus Dresden"

Schon einmal gastierte  er im fürstlichen Ambiente von Schloss Neuenbürg. Schon einmal setzte er den Auftakt der Konzertreihe „Musik aus Dresden". Und auch diesmal hinterließ der junge Pianist Vadim Chaimovich aus der litauischen Stadt Vilnius nichts als Bewunderung. Es schien fast so, als hätte das zahlreich erschienene Publikum den Auftritt vor zwei Jahren noch bestens in Erinnerung. Doch auch viele neue Abonnenten durfte die langjährige Organisatorin der Birkenfelder „Dresden“ Konzerte, Dorothee Schumacher, an diesem Frühlingsabend begrüßen, der von zwei Werken von Frederic Chopin umrahmt wurde. Eins davon, das Scherzo cis-Moll, op. 39, Nr. 3, interpretierte der 15-jährige Jungpianist Igor Knebel bravourös im Vorkonzert, das seit einigen Jahren von Schülern und Ehemaligen der Jugendmusikschule Neuenbürg gestaltet wird.

Bevor Chaimovich mit Haydns Sonate D-Dur, Hob. XVI: 19 durch startete, tauschte er den Klavierhocker gegen einen gepolsterten Stuhl, auf dem er meist mit geschlossenen Augen spielte. Das Kopf - Moderato bestach durch wechselnde Dynamiken, schmissige Akkorde und galante Triller, vor allem aber durch diese unglaubliche Leichtigkeit, diese kindliche Verspieltheit, die etwas Improvisatorisches an sich hatte.

Im rasanten Finale war das nicht anders; umso überraschender der plötzliche, kraftvolle Schlussakkord, der eine Vorliebe zu sein scheint. Denn auch Mozarts Sonate C-Dur, KV 330 endete mit dieser prägnanten Wucht. Für die langsamen Mittelsätze nahm sich Chaimovich bewusst Zeit, gestaltete sie ausdrucksvoll, verträumt, mit einer Stimmung, die bei Schuberts romantischer A-Dur-Sonate (D 664) mit verstärktem Pedal-Einsatz noch weicher, sanfter und lyrischer wirkte.

Mit langen Pausen, Gefühl und einer famosen Klarheit versah der 34-Jährige auch Chopins Ballade Nr. 4 f-moll, op. 52, die als gewaltiger Kraftstrom dahinrauschte. Für den langen Applaus bedankte sich der Pianist mit der berühmten Nocturne op. 9, Nr. 2 des französischen Komponisten.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung

 

Mit Kreativität und Leidenschaft
Auftakt zur Reihe „Musik aus Dresden“ im Birkenfelder Ratssaal

Musik ist die Sprache der Leidenschaft“ zitierte Dorothee Schumacher Richard Wagner bei der Auftaktveranstaltung „Musik aus Dresden“ im Birkenfelder Ratssaal. Die Vorsitzende des Freundeskreises Musik aus Dresden nahm diese Leidenschaft auch für die bildende Kunst in Anspruch. „Ich glaube, nicht nur das Endprodukt, die Musik oder ein Bild, sondern auch der Schaffensprozess braucht Leidenschaft“, sagte Schumacher.

Leidenschaft für die Kunst einte an diesem Abend die rund 130 Besucher, die jungen Musiker der Jugendmusikschule Neuenbürg sowie die Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch, die die Künstlerfamilie Cranach vorstellte. Diese Leidenschaft haben auch die Künstler, die regelmäßig nach Birkenfeld kommen. Leidenschaft für die Musik und ihr Instrument bewiesen die Preisträger beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ Leonie Brauns (Klavier) und Jessica Kibardin (Klarinette) mit der Klarinettensonate von Camille Saint-Saëns und Lena Jauch, Violoncello mit der Suite Nr. 1 und Menuett 1 und 2 Gigue von Johann Sebastian Bach. Verena und Rebecca Pfaff bereichern am Klavier die Veranstaltungen Musik aus Dresden seit vielen Jahren und das Stammpublikum konnte ihre rasanten Fortschritte miterleben. Verena begleitete Simon Ganzhorn (Tuba) bei der Sonatine für Tuba und Piano von Walter Sear. Und Rebecca spielte mit Pamina Gräsle (Querflöte) die Sonate für Flöte und Klavier von Francis Poulenc. Es war eine Freude, die leidenschaftliche Verbundenheit der jungen Musiker mit ihrem Instrument und den Kompositionen zu erleben und ihrer fantastischen Spielkunst zu lauschen. Die bis nach Dresden bekannte Leidenschaft Schumachers in der Küche zeigte sich auch in der Pause bei vielen herzhaften und süßen Gebäckstückchen, bei denen die Besucher gerne auch ein zweites Mal zugelangt haben.

„In der Dresdner Gemäldegalerie der alten Meister ist die weltweit größte Lukas-Cranach-Sammlung zu besichtigen“, sagte Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch und gab einen Einblick ins 16. Jahrhundert, das Zeitalter von Lukas Cranach, Martin Luther und Philipp Melanchthon.
„Wer Frau Baumbusch kennt, weiß, wie sie seit vielen Jahren leidenschaftlich versucht, uns Kunstbanausen bildende Kunst und Architektur näher zu bringen“, sagte Schumacher. Baumbusch zeigte bei ihrem kurzweiligen Vortrag eine Auswahl der 65 Gemälde der Cranach-Familie wie Herkulestafeln, Herrscherbilder und Gemälde zum Leben von Jesus. Auch Lukas Cranach der Jüngere war Maler, jedoch kein so bedeutender Geschäftsmann wie sein Vater.

Heimvorteil hatte das Birkenfelder Publikum beim Klavierkonzert von Marie Thérèse Zahnlecker. Die 21-Jährige war bei Jugend musiziert mehrfach Bundessiegerin und Sonderpreisträgerin. Die junge Pianistin ist Stipendiatin des Rotary-Clubs Enzkreis und erhielt den Sparkassen-Förderpreis Baden-Württemberg. Mit viel Leidenschaft spielte sie die Sonate in fis-Moll Nr. 2 op. 2 von Johannes Brahms. Das Birkenfelder Publikum war total begeistert und sparte nicht mit verdientem Applaus.
Waltraud Günther/Pforzheimer Zeitung

 

Veranstaltungen 2012 

Wunderbares Programm mit dem Dresdner Trompeten Consort

Der Organist Matthias Eisenberg wird das jüngste Konzert in der Reihe „Musik aus Dresden" am Freitag in der Birkenfelder Kirche sicher nicht so schnell vergessen - die Besucher ebenso wenig. Nachdem Eisenberg wegen einer Anreise-Odyssee mit Bahn und Bus erst kurz vor dem Konzert eingetroffen war, spielte ihm die Orgel einen Streich. Während seiner Variationen über „Stille Nacht" blieb ein Ton des Instruments hängen und durchschnitt für einige Momente den Wohlklang seines Spiels. Zu allem Verdruss musste Eisenberg dann noch vor der Zugabe abreisen, der ehemalige Gewand- haus-Organist hatte am Samstag ein Konzert im Berliner Dom zu bestreiten.

Dass es Eisenberg trotz aller Hektik und Widrigkeiten gelungen ist, die Zuhörer mit Variationen über Mozarts „Ah! Vous dirai-je, maman" (KV 265), „Nun kommt der Heiden Heiland" von Bach und dem Magnificat aus der Orgelsuite in D-Dur des Komponisten Jean Francois Dandrieu sowie als Begleiter des Dresdner Trompeten Consort zu begeistern, ist beachtlich. Das Bläserensemble stand mit festlicher Barockmusik zum Advent im Zentrum des Konzertabends und sorgte mit seinem Spiel, begleitet von den beiden Paukern Christian Langer und Simon Lauer, für herrliche Klangerlebnisse in dem Gotteshaus.

Die sieben Trompeter spielten wunderbares Programm mit Fanfaren von Jean-Joseph Mouret oder Dietrich Buxtehude, mit Aufzügen für Pauken und Trompeten des Komponisten Andre Philidor oder das vier Sätze umfassende Concerto für Trompeten von Georg Philipp Telemann - dazu Werke von Johann Sebastian Bach, Johann Heinrich Schmelzer oder Marc-Antoine Charpentier, dessen Prelude aus dem „Te Deum" die fulminante Eröffnung des Konzertabends war.
Pforzheimer Zeitung/Ralf Recklies

 

Der Kassandra-Ruf des politischen Kabaretts

Tausendmal haben sie es vorgespielt. Sie haben es vorgesungen, ja, und manchmal haben sie es vorgetanzt - aber es ist alles trotzdem genau so gekommen. Infokanäle, Talkshowrunden und Online - News zwitschern es von den Plattformen: Die Welt ist ein einziger Krisengipfel. „Was al so möchten Sie im politischen Kabarett noch hören?"

Diese Frage scheint berechtigt. Zumal dann, wenn sie von einem Ensemble gestellt wird, das sich seit über 50 Jahren dem sarkastischen Humor und erfrischend unangepassten Pointen verschrieben hat, wie die „Herkuleskeule Dresden", die zum fünften Mal in Birkenfeld gastierte. Die Antwort des Kabarett -Trios, musikalisch begleitet von Thomas Wand, trägt den verheißungsvollen Titel „Radioballett oder Opa twittert". Inhaltlich lose verknüpfte Szenen mit temporeichen Dialogen, wunderbar bösartigen Couplets, zynischen Parodien und streckenweise auch harmlosem Klamauk, fügen sich um die Figur des „Opa Neugebauer" (Rainer Bursche) zu einem stimmigen Programm. Der Tattergreis hat zwei Regime überlebt, begegnet dem ubiquitären Informations - Tsunami mit trockener Abgeklärtheit und verzichtet auf den Konsum moderner Medien - weil er auf seinen Volksempfänger schwört. Einem übergroßen Nach bau des Propaganda-Relikts, das als flexibles Bühnenbild dient, entsteigen als unaufgeforderte Welterklärer die beiden „Vertreter" (Brigitte Heinrich und Michael Rümmler), die als Volks-, Glaubens-, Reise- oder Beerdigungsvertreter reichlich Salz in die gesellschaftlichen Wunden streuen. Was etwa ist zu tun, wenn der liebe Opa „unappetitlich wird?" Mit einem Ständchen tut der Mund der Enkel Wahrheit kund: „Wir retten gern Tiere und sind Mitglied im Vogelschutzverein, aber den Opi können wir leider nicht schützen, der kommt ins Heim."

Nicht zuletzt thematisieren die Dresdner den Wunsch nach einem Retter aus der Krise - schließlich hatten wir immer einen. Doch wie wird man so einen nach der Krise wieder los?
Bild und Text: Pforzheimer Zeitung/hen - PM

 

Violoncello mal vier
Karalis Cello Quartett im Birkenfelder Autohaus Bäzner & Herzog

Tango, Musical und Blues. Dazwischen leise sardische Volkslieder, ein bisschen Mozart, etwas Tschaikowsky und Bartok. Ein Jazzstandard von Duke Ellington und ein russischer Foxtrott von Matvey Blanter. Zugegeben an Repertoirevielfalt war das Konzert des Karalis Cello Quartett im Autohaus Bäzner & Herzog kaum zu übertreffen. Allerdings offenbarte das Gastspiel der vier Streicher aus Dresden und Cagliari -  Robert Witt, Pietro Nappi, Fabio Mureddu und Ulrich Rüger - auch die gesamte Breite der Herausforderung, die jedem konzertanten Zusammenspiel von vier baugleichen Instrumenten innewohnt: Natürlich muss so gut wie jede Komposition für ein Violoncello -Quartett neu arrangiert werden, wodurch auch bestens bekannte Stücke in einem neuen Klanggewand daherkommen.

Kaum ein anderes Instrument besitzt einen so warmen, dunklen und dabei durchwegs angenehmen Ton. Das Karalis Cello Quartett weitete dieses sonore Klangspektrum in Birkenfeld bis an die Grenzen des technisch Machbaren: Mal schienen die Celli zu jubi lier, mal klangen die Stücke wie eine Parforcejagd - und von ganz besonderer Meisterschaft zeugten die ersterbenden, hingehauchten Töne am Schluss von Bela Bartoks „Rumänischen Volkstänzen". Hier lauschte das Publikum besonders konzentriert und leise - und belohnte die Musiker mit üppigem Zwischenapplaus.

Und dennoch fehlte dem Konzert in der ganzen Länge das Überraschungsmoment: Ein Cello lässt sich nun mal klanglich nur sehr bedingt umfunktionieren, ob wohl zwei der Streicher das Instrument kurzzeitig wie eine Gitarre hielten.

Und ein Bogen ist nun mal kein Degen, obwohl die Vier ihn nach (fast) jedem Stück, filmreif wie Musketiere, in den Himmel stießen. Auch das anschließend immer wieder praktizierte Ritual „Beifall - Aufstehen - Verbeugen" büßt auf Dauer seinen anfänglichen Unterhaltungswert ein.
Bild und Text: R.D. Frommer / Pforzheimer Zeitung

 

Voller Nostalgie und Esprit
Die Dresdner Salon-Damen swingen, singen und spielen Lieder der 30er- und 40er-Jahre im Sparkassenhaus Pforzheim

Immer schwingt auch ein klein wenig Ironie in den Zeilen mit. Immer hat Karolina Petrova einen scharfzüngigen Seitenhieb parat. Und so bekommen nicht nur ihre Musikpartnerinnen der Reihe nach ihr Fett weg. Auch die Zuschauer bleiben während des überaus vergnüglichen Konzertabends der Dresdner Salon-Damen im Sparkassenhaus Pforzheim nicht verschont. „Sie schwitzen, man riecht's", sagt die Blondine in ihrer frechen und charmanten Art, und keiner ist ihr böse.

Petrova kann nämlich weit mehr als austeilen. Sie ist das wandelbare „Juwel" des sächsischen Frauenquintetts, die faszinierende Solostimme mit dem großen Stimmumfang und der ausdrucksstarken Präsenz, die auch noch am Schluss mit dem Knef-Hit „Für mich soll's rote Rosen regnen" berührt. Und wenn die kecke Sängerin nicht gerade Klassiker der 1920er-, 1930er- und 1940er-Jahre ins nostalgische Mikrofon haucht, dann spielt sie eben Violine. Gleich zwei Mottos' stehen über diesem Abend, der in Kooperation mit „Musik aus Dresden" stattfindet: „Das gibt's nur einmal, das kommt nie wieder" und „15 Jahre Dresdner Salon-Damen". Und beiden wird das Quintett gerecht - mit fingerschnipsender Leichtigkeit, Tiefgang und stilechten Kleidern in samtenem Rot oder glitzerndem Türkis. Vor allem aber sind die Damen allesamt die reinsten Multitalente. Franziska Graefe zum Beispiel ist nicht nur eine hervorragende Geigerin, wie sie bei Hans Zanders Zigeunertanz beweist. Sie „putzt" auch leidenschaftlich gerne und swingt mit einem Handbesen zu Titeln wie „In der himmelblauen Limousine".

Silke Krause, die Arrangeurin der Stücke, fegt nicht nur mit Glissandi oder Staccati über die Tasten des Klaviers. Sie bringt auch das Akkordeon beim eben genannten Zigeunertanz in all seinen Klangfarben zur Geltung. Beate Hofmann ist die Frau mit der geheimnisvoll dunklen Seite: Sie verleiht den Liedern - besonders schön die sehnsuchtsvollen Walzer - ihren tiefen Glanz an Cello und Kontrabass. Und Cecile Pfeiff macht ihrem Namen alle Ehre: Sie pfeift und schnalzt bei „In der Bar zum Krokodil" und schüttelt Kokosnüsse im Rumba-Rhythmus. Vor allem aber ist sie die Königin des Klarinettenspiels. Mit frohlockend schönen Holzbläsertönen unterstreicht Pfeiff die schwungvolle Charleston-Nummer „Musik, Musik, Musik" (Ich brauche keine Millionen). Auch ihr flotter und geschmeidiger Saxofon-Sound geht unter die Haut, bei „So ein Regenwurm hat's gut" oder „Die Männer sind schon die Liebe wert".

Fünf weitere junge Damen sind an diesem Abend zu hören - Rebecca Pfaff, Alina Steiner, Franca Jäger, Raphaela Jonait und Joana von der Musikschule Neuenbürg/Birkenfeld. Sie gestalten mit Christian Knebel am Klavier das Vorprogramm.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung
Bild: Bechtle

 

Schlichte Eleganz des Klangs
Hans-Christoph Rademann dirigiert die Lukaspassion von Schütz.
Glanzvolle Leistung des Dresdner Kammerchors in Birkenfeld.

Die Musik wirkt karg und doch so vielsagend. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche, erzählt die Leidensgeschichte Jesu aus unmittelbarer Nähe. Da ist kein Orchester, das für eine ausschmückende Untermalung sorgt. Da zählen nur die menschlichen Stimmen in ihrer direkten, klaren Schönheit: Die Lukaspassion von Heinrich Schütz (1585 - 1672), die älteste der drei Passionen des einstigen sächsischen Hofkapellmeisters in Dresden, ist wenige Tage vor Karfreitag eine Besonderheit. Vor allem dann, wenn sie von einem solch erstklassigen Chor wie dem Dresdner Kammerchor unter Leitung des renommierten Dirigenten Hans-Christoph Rademann vorgetragen wird. Bei dessen wunderbaren A-cappella-Gesang wird sofort klar, dass hier Spitzensänger am Werk sind.

Die schlichte Eleganz macht denn auch den Reiz dieses Saisonauftakts der Reihe „Musik aus Dresden" aus. Gebannt verfolgt das Publikum in der evangelischen Kirche Birkenfeld das vom SWR auf zeichnete Konzert. Im Vordergrund der Lukaspassion stehen zwei Solisten: Der Tenor Jan Kobow als Evangelist Lukas und Bass Felix Rumpf als Jesus. Im steten Wechsel ihrer einfach gehaltenen Rezitative lassen sie das Leid Jesus Christus deutlich werden. Die helle, zarte, leicht näselnde Stimme des Tenors erreicht leuchtende Höhen. Schön ist beispielsweise die leise begonnene Passage „Und es war um die sechste Stunde", die Kobow zunehmend mit verzweifeltem Ausdruck gestaltet. Das warme Bariton-Timbre des Basses besticht besonders in solch gefühlsbetonten Momenten wie „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun". Mit markanter Tiefe überzeugt auch Bass Felix Schwandtke als Pilatus! Spannungsgeladen tritt immer wieder der vierstimmige Chor hervor, mal als Jünger, mal als Hohepriester und   Schriftgelehrte. Rademann gibt ihm energische Impulse, woraufhin sich Wutausbruch und Scharfzüngigkeit ergreifend nahe in den Motetten niederschlagen. Die Forderung „Hinweg mit diesem" zum Beispiel wirkt in seiner ratternden Schnelligkeit wie eine Drohgebärde.

Thematisch gleich, in seiner musikalischen Wirkung aber ganz anders, ist Schütz' „Die sieben Worte Jesu" (SWV 478). Dieses tief bewegende Werk ist für fünf Sänger, ebenso viele Instrumente, Basso continuo und Chor geschrieben. In der Birkenfelder Aufführung wird der Instrumentalpart von Hille Perls einfühlsamen Gambenconsort Sirius Viols mit Julia Veto, Juliane Laake, Sarah Perl und Frauke Hess ausgefüllt. Der dunkle Klang der Gamben kommt besonders in den zwei Sinfonien nach dem Eingangs- und vor dem Schlusschor zur Geltung. Schön unterstreicht das Ensemble auch Jesu' Worte „Mich dürstet" mit langen Bogenstrichen. Lautenspieler Lee Santana an der 16-saitigen Theorbe und Organist Ludger Remy sorgen für weitere Klangfarben. Bemerkenswert ist, dass der Evangelist von unterschiedlichen Stimmlagen, teilweise sogar vierstimmig gesungen wird. Altus Stefan Kunath setzt hier schöne Akzente. Aber auch die Sopranistin Ulrike Hofbauer überzeugt mit ausdrucksvoller Stimme. Bei der Litania „Kyrie eleison" wirkt sie an der Seite der stimmgewaltigen Marie Luise Werneburg jedoch etwas zaghaft. Die dicht vorgetragene Motette für Doppelchor „Unser Herr Jesus Christus in der Nacht" (SWV 495) rundet das Konzert ab.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung
Bild: Gerhard Ketterl
  

Viele Glanzpunkte der Chormusik gesetzt
Dresdner Kammchor spielt Werke von Heinrich Schütz

Mit dem Dresdner Kammerchor unter der Leitung seines Dirigenten Hans Christoph Rademann war ein Glanzpunkt der Chormusik am Sonntagabend zu Gast in der Evangelischen Kirche in Birkenfeld. Die Dresdner Gäste führten damit eine seit 30 Jahren bestehende Tradition fort, die 1981 mit der ersten Einladung an den Trompeter Ludwig Güttler begann und zu der Konzertreihe „Musik aus Dresden" der evangelischen Kirchengemeinde Birkenfeld führte. Heinrich Schütz (1585 bis 1672), dessen Werke aufgeführt wurden, hatte durch die Verwendung der deutschen Sprache in der überwiegenden Anzahl seiner Kompositionen eine eminente Bedeutung für die europäische Musikgeschichte. Auf diese Weise konnte die rhythmische Kraft und die Eindringlichkeit seiner Musik durch die Übereinstimmung von Betonung und Bedeutung besser ausgedrückt werden als in der lateinischen Sprache.

Dies zeigt sich sehr klar in der Lukas-Passion für Soli und vierstimmigen Chor. Die kleinere Zahl der Choreinsätze neben den Solisten - sehr gut der Tenor Jan Kobow als Evangelist und der Bariton Felix Rumpf als Jesus - beeindruckten mit ihrer Prägnanz, und im Gegensatz zu den durchweg ruhigen Solopassagen waren sie leb haft und zum Teil auch stürmisch. Nach   der doppelchörigen Motette „Unser Herr Jesus Christus in der Nacht als er verraten war" erklang die „Litania, Kyrie eleison", eine sechs stimmige Vertonung der „Deutschen Litanei" Martin Luthers von 1529. Mit Gambe, Orgel und Theorbe hatte dieses Werk  auch seinen Reiz in den Überschneidungen und Übergängen der einzelnen Stimmen. Bei dem geistlichen Konzert für eine Singstimme, vier Obligat-Instrumente und Basso continuo „Erbarm dich mein, o Herre Gott" war zu Beginn eine Sinfonia zu hören, wobei man beachten muss, dass von Heinrich Schütz keine Instrumentalmusik erhalten ist. Die Sopranistin Ulrike Hofbauer sang mit klarer Stimme und wurde von der Gambengruppe „Sirius Viols" mit Hille Perl perfekt begleitet.

Diese Gruppe mit Orgel und Theor be, gespielt von Ludger Remy und dem Lautenisten Lee Santana, bilde ten auch die Begleitung zu der Passionsmusik „Die sieben Worte Jesu". Bei diesem Werk wurde durch Wechsel der Stimmlage die Partie des Evangelisten von verschiedenen Sängern interpretiert. Hier und in den anderen Stücken zeigte sich der großartige Klang des ganzen Ensembles, sowohl als Chor oder als Solisten: es klang einfach gut. Das Publikum in der voll besetzten Kirche spendete Sängern, Instrumentalisten und dem Dirigenten großen Beifall für ein herausragendes Konzert.
Christian Henrich/Pforzheimer Kurier

 

Junge Talente zeigen ihr Können
Programm der Veranstaltungsserie „Musik aus Dresden" festlich vorgestellt im evangelischen Gemeindehaus in Birkenfeld

Umrahmt von einem Konzert mit Schülern der Musikschule Neuenbürg im evangelischen Gemeindehaus in Birkenfeld stellte Dorothee Schumacher das Programm der Veranstaltungsserie Musik aus Dresden vor.

Die jungen Künstler Emilia Haefner und Phil Gengenbach als Klavierduo, Jessica Kibardin (Klarinette), das Duo Lena Jauch (Violoncello) und Luca Gengenbach (Klavier), das Duo Malin Grass (Violine) und Rebecca Pfaff (Klavier) sowie die Musikstudentin Marie Therese Zahnlecker am Klavier unterhielten das Publikum mit Werken großer Meister.

Das Jahresprogramm beginnt mit dem Großereignis am 1. April. Der Dresdner Kammerchor mit hervorragenden Gesangssolisten, Professor Ludger Remy an der Orgel, dazu das berühmte Gamben Consort führen in der evangelischen Kirche Birkenfeld die Lucas-Passion und „Sieben letzte Worte" von Heinrich Schütz auf. Eine Einführung in das Werk beginnt um 17.15 Uhr. Das Konzert startet um 18 Uhr. „Das gibt's nur einmal, das kommt nie wieder" behaupten die Dresdner Salondamen am 11. Mai in der Sparkasse Pforzheim Calw. „Keine Veranstaltung von uns, aber ohne uns nicht möglich, ist der Internationale Meisterkurs für Gesang vom 2. bis 9. September mit Professor Elisabeth Wilke und Jobst Schneiderat auf Schloss Neuenbürg, bei dem Besucher willkommen sind", sagte Schumacher. Das „Karalis Bass Quartett" gastiert am 22. September im Autohaus. Am 23. September geben diese Künstler ein Konzert für Kinder. Die Gruppe „Herkuleskeule" kommt am 19. Oktober mit „Radioballett" in die Aula der Ludwig-Uhland-Schule. Organist Matthias Eisenberg und das Dresdner Trompeten Consort beschließen am 14. Dezember in der evangelischen Kirche das Jahresprogramm.

Zur Abrundung des Vorstellungsabends stellte Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch das Gemälde „Die sixtinische Madonna" von Raffael vor.
Waltraud Günther/Pforzheimer Zeitung

 

 
Cornelia und Anna Katharina Schumann

Eine Freundschaft in Dur
Der Freundeskreis „Musik aus Dresden" in Birkenfeld feiert Geburtstag
Auszeichnung für Organisatorin Dorothee Schumacher

Der Freundeskreis „Musik aus Dresden" habe die Kulturlandschaft im Enzkreis von Birkenfeld aus bereichert, lobt Landrat Karl Röckinger. Dafür wurde jetzt die Organisatorin Dorothee Schumacher geehrt.

Die Auszeichnung kam gleich doppelt. Die Gemeinde Birkenfeld würdigte den Einsatz für die außergewöhnliche Kulturreihe „Musik aus Dresden", die vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben worden war, ebenso wie der Enzkreis. Die Birkenfelderin Dorothee Schumacher sei der „Motor und die Seele“ der Beziehungen zu Dresden und seinen Künstlern, sagte Landrat Karl Röckinger bei einem Fest des Freundeskreises am Samstag. Röckinger über reichte ihr die „Gottlob-Frick-Medaille" des Enzkreises. Aus den Händen von Bürgermeister Reiner Herrmann erhielt Dorothee Schumacher außerdem die Sixt-Medaille der Gemeinde Birkenfeld.

Familiäre Atmosphäre

„Das Haus Schumacher ist nicht nur Konzertagentur, sondern auch beliebte Herberge der Dresdner Künstler", blickte Röckinger hinter die Kulissen der Kulturreihe mit ihrer familiären Atmosphäre: „Die Schumacherschen Maultaschen genießen einen schon legendären Ruf." Ohne das Organisationstalent der Birkenfelderin und dem tatkräftigen Engagement der zahlreichen Helfer des Freundeskreises wäre eine solche Reihe nicht möglich gewesen.

Den engen persönlichen Kontakt zu der Kulturlandschaft Dresden schätzt auch Bürgermeister Herrmann. „Sie haben in Birkenfeld eine besondere Plattform geschaffen" sagte er über das hohe Niveau der Konzerte. Eine humorvolle Kostprobe davon gab der Auftritt der „Wilden Weyber" aus Dresden. Mit Fiedeln und Pfeifen gaben sie ein köstliches Tafelkonzert wie bei Hofe und ließen die Gäste mit musizieren.

Eigentlich schon seit 1981 kommen auf Initiative des damaligen Pfarrers Hans Haag aus Birkenfeld und seiner Frau Ursula Künstler aus Dresden für Auftritte nach Birkenfeld. Damals wurde damit den talentierten Künstlern eine Auftrittsmöglichkeit jenseits des Eisernen Vorhangs geschaffen.

Bis zur Wende kamen Zuschüsse vom innerdeutschen Ministerium. Dann mussten die Veranstalter selbst eine finanzierbare Basis schaffen. Das war keine leichte Aufgabe, die der Pfarrer nach seinem Aus scheiden vertrauensvoll in die Hände seiner Pfarrsekretärin Dorothee Schumacher legte. Als Schumacher an der schwierigen Aufgabe zu verzweifeln begann, half Ludwig Güttler, Startrompeter aus Dresden, mit seinem Vorschlag, einen Förderverein zu gründen, dem er selbst auch gleich beitrat.


R.Herrmann, D.Schumacher, K.Röckinger

Einsatz mit großer Hingabe

Vorsitzende wurde Dorothee Schumacher selbst. Und dieses Amt übt sie bis heute mit großer Hingabe aus. „Zwingen könnte man mich nicht dazu, ich mache es sehr gerne", gestand sie genau zehn Jahre später. Heute gehören über 100 Mitglieder aus dem weiten Raum von Heidelberg bis Stuttgart und viele aus dem Enzkreis zum „Freundeskreis der Musik aus Dresden". Die Art und Weise, wie man in Birkenfeld nach den Veranstaltungen noch zusammensitzt und selbst gemachte Gaumenfreuden genießt, ist für sich in Birkenfeld und im Enzkreis zur kleinen Legende geworden.


Die Gründungsmitglieder

Landrat Röckinger würdigte darüber hinaus auch Dorothee Schumachers Engagement beim Forum21, etwa bei der Organisation der Enzkreis-Kulturtage, der Herausgabe des Enzkreis-Kulturführers oder bei der aktuellen Reihe:"Kulturlandschaften".
Pforzheimer Zeitung (Waltraud Günther)

 

 

Jubiläum mit Güttler
Reiner Herrmann, Dorothee Schumacher, Rainer Boy,
Ludwig Güttler, Hans Schumacher, Friedrich Kircheis.
 

25 Jahre „Musik aus Dresden“
Im kulturellen Leben von Birkenfeld mit den Jahren einen festen Platz erobert


Seit 25 Jahren kommen Musiker aus Dresden nach Birkenfeld und bereichern die kulturellen Veranstaltungen mit erstklassigen Konzerten, auf die die Kirchengemeinde Birkenfeld, der Freundeskreis Musik aus Dresden und die Gemeinde Birkenfeld stolz sind. Stellvertretend für alle Dresdner Künstler ehrte Dorothee Schumacher, Vorsitzende des Freundeskreises Musik aus Dresden, Professor Ludwig Güttler mit der Ehrenmitgliedschaft im Freundeskreis.

Beim Jubiläumsempfang am Samstag wurde nach der launigen Begrüßung durch Pfarrer Rainer Boy vor allem das Engagement von zwei Menschen hervor gehoben. Dies war der ehemalige Pfarrer Hans Haag, der durch Verbindungen zu der Heimat seiner Frau Ursula die ersten Kontakte zu Musikern in Dresden knüpfte und Dorothee Schumacher, die seine Arbeit weiter führte. „Am Anfang stand im Jahre 1981 eine Einladung an einen Trompeter aus dem Osten, aus der Einladung wurden mehrere und ein Künstler zog andere nach. Mit viel Begeisterung und Einsatz ermöglichte das Pfarrerehepaar Ursula und Hans Haag dem Trompeter Ludwig Güttler, bald aber auch anderen Dresdner Künstlern, Auftritte in Birkenfeld und im weiteren süddeutschen Raum. Mit großem persönlichen Einsatz versuchte Hans Haag die Grenzen zu überwinden und Musiker von Ost nach West aber auch von West nach Ost zu vermitteln und dadurch die Mauer etwas durchlässiger zu machen.“ sagte Dorothee Schumacher. Mit den Jahren entwickelte sich eine Veranstaltungsreihe mit hochkarätigen Künstlern aus dem sächsischen Raum, die zu einer festen Einrichtung in Birkenfeld wurde.

Nachdem Pfarrer Haag in Ruhestand ging, übernahm Dorothee Schumacher die Organisation der Konzerte, auch wegen der inzwischen gewachsenen Freundschaften mit den Künstlern, die aus dieser Freundschaft heraus, der herzlichen Betreuung und der Koch- und Backkunst Schumachers oft für ein bescheidenes Honorar extra nach Birkenfeld kamen. Finanzielle Unterstützung sagten der damalige Landrat Werner Burkhardt, Bürgermeister Reiner Herrmann und das Ehepaar Hildegard und Fritz Stahl zu. Doch 1998 wollte Schumacher aufgeben aus organisatorischen und finanziellen Gründen. Güttler riet, einen Förderkreis für die Musik aus Dresden zu gründen. Seit 1999 gibt es diesen Förderkreis, der inzwischen über 90 Mitglieder auch weit über Birkenfeld hinaus zählt. „Es ist ein Herzenswunsch von mir, im Jubiläumsjahr auf 100 Mitglieder zu kommen,“ sagte Schumacher, die jetzt nicht mehr ans Aufhören denkt.

„In Birkenfeld wurde die Einheit vorweg genommen. Es ist ein besonderes Erlebnis, die sächsischen Musiker zu hören. Danke an alle, die diesen besonderen Edelstein unterstützen“ sagte Kulturdezernent Roland Hübner. Mit Stolz erfüllt ist Bürgermeister Herrmann, dass  immer wieder hochkarätige Künstler aus Dresden in seine Gemeinde kommen. „Frau Schumacher ist der Motor in der Pflege der Beziehungen nach Dresden.“

Güttler war gerührt von den Empfindungen seiner Gastgeber. Es sei der Mut zum Risiko und das grenzenlose Vertrauen über die Mauer hinweg gewesen, die die harten Probleme in der DDR überwunden hätten. Kultur und Sprache sei nicht trennbar, sagte Güttler. „Es war ein Glück, dass Frau Schumacher in liebenswürdiger, charmanter Zähigkeit überall etwas zu verbessern suchte. Nicht mit dem Kopf und den Händen, sondern mit dem Herzen hat sie die Begegnungen ermöglicht." Viele unsichtbare Fäden verbinden in der Zwischenzeit Birkenfeld mit Dresden. Sei es durch Spenden für die Frauenkirche, Besuche Einzelner oder Gruppen in Dresden oder die Mitarbeit vieler Mitglieder des Freundeskreises bei Veranstaltungen, die weit über Birkenfeld hinaus bekannt und beliebt sind.

Für die musikalische Umrahmung spielten Marie-Therese und Katharina Zahnlecker auswendig Werke von Schumann am Flügel.

Waldtraud Günther 

 Virtuosi Saxoniae
Ludwig Güttler und Virtuosi Saxoniae

Jubilierende Silbertöne
Jubiläumskonzert mit E. Wilke, L. Güttler und den Virtuosi sanoniae in Birkenfeld

Noch war damals längst nicht zusammen, was zusammen gehört und die Temperatur zwischen Deutsch-West und Deutsch-Ost reichlich frostig. Doch neben all den Eisblumen sproß ein zartes Pflänzchen, das alsbald prächtig gedieh. Vor 25 Jahren nämlich gab zum ersten Mal der aus dem Erzgebirge stammende Trompeter Ludwig Güttler in Birkenfeld ein Konzert. Das war beileibe keine Selbstverständlichkeit, doch die devisenhungrige DDR ließ gern ihren musikalischen Star im „kapitalistischen Ausland" auf treten.

Die Herzlichkeit andererseits, mit der eine Gruppe Birkenfelder Bürger sich um Güttler und dessen musizierende Mitstreiter aus Dresden kümmerte, schuf die Grundlage für eine bis heute andauernde Verbindung vom Elbflorenz in den Schwarzwald, eine unverbrüchliche Notenfreundschaft sozusagen. Mit den unter schiedlichsten Ensembles war Gütt ler seither immer wieder zu Gast, stets gefeiert und umjubelt in der evangelischen Kirche Birkenfeld. Das war diesmal beim Silberjubiläum dieser Konzertreihe im vollbesetzten Gotteshaus gar nicht anders.

Der Meistertrompeter hatte die von ihm vor über 20 Jahren gegründeten Virtuosi Saxoniae und die renommierte Altistin der Dresdner Semperoper, Elisabeth Wilke, mitgebracht, auch sie stets immer wieder gern gehörte Gäste in Birkenfeld. Und wie es sich für das Jubiläumskonzert gehört, standen auf dem Programm Werke teils bekannter, teils nur den Spezialisten vertrauter Komponisten aus dem 18. Jahrhundert. Aus dem etwas dunkel grundierten Klangbild der siebenköpfigen Virtuosi Saxoniae ließ Güttler den unverkennbaren Silberton seiner Bachtrompete in die Höhe jubilieren mit der Orchestersuite C-Dur von Theodor Schwartzkopf.

Zwar nannte Güttler einmal im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung" die strengen Vertreter der so genannten historischen Auffüh rungspraxis „schlimmer als das ZK der SED", doch gewisse Anlehnungen der Musiker, allesamt Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden, an die inzwischen weit verbreiteten Spieltechniken der „historischen" Richtung sind unverkennbar. Nicht immer zum Vorteil von Intonationspräzision und schlackenfreier Musizierweise, zumal die Akustik in der Birkenfelder Kirche keine christliche Barmherzigkeit kennt. Doch der beherzte Zugriff der Musiker und die standardmäßig hohe Qualität der Solisten sind allemal des Lobes wert. Besonders ansprechend Vivaldis Vertonung des Psalms 126 „Nisi Dominus", in der Elisabeth Wilke alle ihr reichlich zu Gebote stehen den Ausdrucksstärken und klang farblichen Register einsetzte.

Die Eleganz ihrer schnellen Koloraturketten, die Makellosigkeit der Artikulation und die Klangrede voll vokaler Schönheit gewinnen schnell das Hörerohr. Auch in der Bach-Arie „Ich will doch wohl Rosen brechen". Als Solist beeindruckte Roland Straumer mit der Wiedergabe eines technisch anspruchsvollen Violinkonzertes von Johann Georg Pisendel. Das von ihm wiederentdeckte Corno da caccia brachte Ludwig Güttler in dem Konzert Es-Dur von Christoph Förster wirkungsvoll zur Geltung und krönte das mit reichem Beifall bedachte Konzert durch eine Zugabe auf der Barocktrompete.
Sebastian Giebenrath

 

 

 

 

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