Pressestimmen

 


Veranstaltungen 2019


 Wie ein kleines Gemälde
Octavians aus Jena treten erstmals in Birkenfeld auf


Ein düsterer Nachmittag am Strand, ein märchenhafter Nymphentanz oder eine sommerliche Graslandschaft: Keine bildliche Imagination, die sich nicht in einem Lied umsetzen ließe. Die wahre Kunst offenbart sich vor allem dann, wenn dies ohne jegliche Instrumente passiert: Reiner A-cappella-Gesang, intoniert von acht Herren aus dem ostdeutschen Jena, die am Samstagabend zum ersten Mal in Birkenfeld gastierten. „Der Töne Licht" lautet der Titel des aktuellen Programms, das mit dem Jahresmotto „Träume" der örtlichen Konzertreihe Musik aus Dresden eine geradezu perfekte künstlerische Symbiose bildete.

Das erste Stück, „Down To The River to Pray", entführte die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer an die irischen Küsten, dann durfte es dreimal Giovanni Giacomo Gastoldi sein, womit die Künstler ihren vollen Gesangeszauber entfachten. Achtmal Octavians bedeutete achtmal unterschiedliche Stimmlage, um von der besinnlichen Melancholie bis hin zum unbeschwerten Frohsinn jede Gefühlslage zum Ausdruck zu bringen. Ein Hauptschwerpunkt des ersten Programmblocks waren jedoch die vielen unterschiedlichen Landschaftsbilder, was mit den Werken „Die Nacht" von Franz Schubert, dem „Abendständchen" von Johannes Brahms oder „Die Kapelle am Strand von Wilhelm Berger" konsequent fortgesetzt wurde.

„Jedes Stück ist wie ein kleines Gemälde", erklärte Sänger Matthias Maurer, um in den zweiten Teil überzuleiten, der ganz von der Moderne geprägt war: Da gab es unter anderem die „Fields Of Gold" von Sting zu hören, „The Boxer" und „Bridge Over Troubled Water" von Simon & Garfunkel sowie den Friedenssong schlechthin, nämlich „Imagine" von John Lennon. Die Octavians gibt es seit elf Jahren und sie spannen, was das künstlerische Repertoire anbelangt, den musikalischen Bogen über acht Jahrhunderte hinweg. Beeindruckende Fähigkeiten an der Oboe und dem Saxofon bewies schon eingangs der Nachwuchsmusiker Richard Babichev aus den Reihen der Jugendmusikschule Neuenbürg, der den Abend mit etwas Jazz und Klassik eröffnete.
Pforzheimer Kurier, Alexander Jähne

 

 



 Musik aus präsentiert
Romantisch-klassisches Programm für Klavier und Cello

Bei so viel Intensität in den Ecksätzen wäre ein Adagio zum Ausgleich gut gewesen. Doch Brahms hat seine Cellosonate in e-Moll op. 38 aus der ursprünglich viersätzigen Form gelöst und den langsamen Satz gestrichen. Immerhin ist der Mittelsatz ein unbeschwertes Menuett, den Sonia Achkar (Klavier) und Matthias Wilde (Cello) denn auch als Ruhepol zwischen dem aufbrausenden Kopfsatz und dem atemberaubenden Fugato-Finale nutzen.
 Die mitreißende Hitze tut dem Kammermusikabend von Musik aus Dresden in der kalten, evangelischen Kirche Birkenfeld gut. Wie Mai fühlen sich die winterlichen Temperaturen jedenfalls nicht an. Umso glühender träumen die erstmals in Birkenfeld gastierende Pianistin und der bereits vor zwei Jahren im Quartett aufgetretene Cellist vom Frühling. Erst seit zwei Jahren kennen sich die beiden, spielen seitdem in diversen Formationen. So kommt auch der lang geplante Duo-Abend zustande, bei dem die Nachwuchstalente Jaroslaw Nuss am Klavier und Franz Ladenburger an der Posaune im Vorkonzert ihre Künste zeigen.
 Die Brahms-Sonate bildet den Abschluss des romantisch-klassischen Konzerts. Bemerkenswert ist das gleichberechtigte Auftreten der Interpreten, beide hingebungsvoll und virtuos. Matthias Wilde zeichnet sich durch eine emotionsgeladene Ausdruckskraft und Körpersprache aus – passend zu seinem Namen. Wie er etwa die dunklen Klangregister im ersten Satz auslotet, ist fantastisch. Mit einer eleganten Anschlagskultur, die sich ebenso zärtlich wie energisch zeigt, überzeugt die Pianistin. Tollkühn hüpfen zum Beispiel ihre Staccati beim synkopierten Scherzo von Beethovens Sonate Nr. 3 A-Dur, op. 69 über die Tastatur. Herrlich, wie Wilde und Achkar hier miteinander wetteifern und rhythmisch gegen den Strich musizieren – immer auf den Punkt genau. Der eine erzeugt ausdrucksvolle Doppelgriffe, die andere kraftvolle Akkorde.
 Vom Innehalten und Davonrauschen ist das Final-Allegro geprägt, von Kontrasten der umfangreiche Kopfsatz. Voller Witz und Koketterie indes Beethovens zwölf Variationen über Mozarts berühmte Glockenspielarie „Ein Mädchen oder Weibchen“, gesungen von Papageno in der „Zauberflöte“. Wie das gestrichene Adagio bei Brahms geklungen haben könnte, führen die Künstler mit dem Anfang des langsamen Satzes aus dessen Klavierquartett op. 60 als Zugabe vor.
Pforzheimer Zeitung, Anita Molnar

Pforzheimer Zeitung

 

Pforzheimer Kurier



 



 Musik als unerschöpfliches Geschenk
„Musik aus Dresden": Birkenfelder Konzertreihe feiert mit Konzert 20-jähriges Bestehen

Die Musik sei ein „unerschöpfliches Geschenk" und Initiatorin Dorothee Schumacher nannte er schlichtweg die „Stimme von Birkenfeld": Die Danksagungen zu übernehmen, fiel dem Trompetenvirtuosen Ludwig Güttler aus Dresden beileibe nicht schwer. Vor 20 Jahren hatte ihn der Weg schon einmal in die beschauliche Enzkreiskommune geführt - damals stand die Gründung des Freundeskreises der Konzertreihe „Musik aus Dresden" auf dem Programm.
 Mit einem großen Doppeljubiläum konnte diese am Samstagabend die evangelische Kirche ihrer Gemeinde füllen. Über 250 Besucher seien erschienen, freute sich Margret Krüger von der Geschäftsstelle bereits schon vor Beginn des Konzertes von „Virtuosi Saxoniae": Ein Solistenensemble bestehend aus acht begabten Einzelkünstlern unter der Leitung ihres musikalischen Vordenkers Ludwig Güttler, das zwei Stunden lang für mitreißende, aber auch zum Träumen animierende Klänge sorgte. Sieben klassische Werke von Georg Philipp Telemann, Christoph Schaffrath oder Petronio Franceschini gab es da zu hören. Sieben Werke von monumentaler Kraft, jedes ein Erlebnis für sich. Besinnlichkeit, die den Zuhörer dahinschweben ließ, aber auch eine instrumentale Ausdrucksstärke, die vor allem von Güttlers inspirierendem Trompetenspiel lebte, waren die Grundelemente dieses unvergesslichen Auftritts.
 Nach der Wende, im Jahre 1989, hatte Dorothee Schumacher die Konzertreihe „Musik aus Dresden" aus der Taufe gehoben und auch dieser Anlass wurde entsprechend gefeiert.
 Bürgermeister Martin Steiner bezeichnete die Veranstaltungsreihe als einen „regelrechten Garanten für ein volles Haus", bevor feierliche Hymnen den musikalischen Reigen eröffneten. Die Jubiläumsfeierlichkeiten fungierten gleichzeitig als Auftakt für das diesjährige Programm, dem acht weitere musikalische Beiträge, Atelierbesuche und Buchbesprechungen folgen.
 Pfarrer Stefan Wittig lobte vor allem den „langen Atem der Dorothee Schumacher", das Birkenfelder Publikum selbst honorierte seine kulturelle Errungenschaft mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen zum krönenden Abschluss.
Pforzheimer Kurier, Alexander Jähne