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Veranstaltungen 2021



 Wie geht es weiter mit "Musik aus Dresden"
Renommierte Reihe steht auf der Kippe

Sie hatte sich gut überlegt, wie sie ihre Konzertreihe „Musik aus Dresden“ coronakonform planen könnte. Ein Großteil der Saison, die jetzt hätte starten sollen, hat Dorothee Schumacher in die Kirche verlegt, um dort das bewährte Hygienekonzept der Gottesdienste anzuwenden. „Bei reduzierter Besucherzahl – mit 52 Personen unten und 16 auf der Empore – sowie zwei Auftritten am Abend dachte ich, es wäre möglich“, sagt die Frau, die die Reihe seit mehr als 30 Jahren künstlerisch betreut. Ehrenamtlich, mit viel Herzblut. Nun muss sie die ersten Veranstaltungen absagen: die Capella Musica Dresden an diesem Samstag, 24. April, und „Text con(tra) Musik“ am 8. Mai. „Da dies mein letztes Jahr bei ,Musik aus Dresden‘ ist, fällt es mir besonders schwer, weil diese beiden Abende mir sehr verbundene Künstler gestalten sollten, die zum Teil freiberuflich tätig sind und mit ihren Familien dringend Unterstützung benötigen“, sagt sie. Der Stellenwert der Kultur, für die sie brennt, sei in Kommunen, Land, Bund, aber auch in der Gesellschaft so geschrumpft, dass sich selbst bei jemandem wie ihr, die stets voller Optimismus geplant habe, eine gewisse Resignation breitmache.
 Die 78-Jährige will aufhören. Wirklich? „Ja“, sagt sie voller Überzeugung. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass sie sich aus der von Pfarrer Hans Haag 1981 gestarteten Reihe zurückziehen will, deren Organisation sie 1990 als Pfarramtssekretärin übernommen hat. Schumacher erhöhte damals den Takt, schuf neue Formate, Abo-Modelle, suchte immer mehr Sponsoren und trieb die Gründung des Fördervereins (1998) voran.

  Die Konzertreihe erarbeitete sich mit hohem künstlerischem Anspruch überregionales Renommee. Ob Kammerchor, Kreuzchor, Ludwig Güttler, Peter Schreier oder Hans-Christoph Rademann – in Birkenfeld waren alle zu Gast, die in Dresden und an der dortigen Hochschule für Musik Rang und Namen haben. Anfangs hätten die Birkenfelder noch gefremdelt. „Für viele waren die Kirchenstufen zu hoch“, erinnert sie sich. Und so verfrachtete sie Konzerte an wechselnde Orte: Autohaus, Kelter, Gemeindehaus, Schulhof. Inzwischen halten sich einheimische und auswärtige Abonnenten – teils aus dem Elsass und Hessen – die Waage. Schumacher kann für sich beanspruchen, Besucher an die Musik herangeführt zu haben, die damit vorher kaum in Berührung waren.
 Für ihren unermüdlichen Einsatz bekam sie 2015 das Bundesverdienstkreuz. Der Trompeter Güttler hob dabei ihren Verdienst hervor, dass sie einen Leuchtturm und eine „Insel der Glückseligkeit“ für Birkenfeld geschaffen habe. Das gelang nicht nur wegen Schumachers gutem Gespür für das, was geht – und was nicht. Vor allem auch dank der Unterstützung vieler Helfer, der familiären Atmosphäre und der unvergleichlichen Gastfreundschaft. Vor dem Konzert gab’s ihre berüchtigten Maultaschen, danach bereitete sie ein üppiges Büfett. Mit dem Essen habe sie so manchen Künstler „hergekriegt“, wie sie selbst sagt. Viele kommen nur fürs Konzert, außerhalb von Tourplänen. Man sei freundschaftlich verbunden.
 Nun steht „Musik aus Dresden“ vor einer ungewissen Zukunft. Fände sich eine Nachfolge, wäre Schumacher bereit, diese noch ein, zwei Jahre für eine Übergabe zu unterstützen. Klappt das nicht, wäre spätestens nach den Nachholkonzerten im kommenden Frühjahr Schluss. „Eine weitere Reihe werde ich nicht mehr organisieren“, sagt Schumacher. Ob noch mal jemand ehrenamtlich so viel Kraft und Energie in die Organisation steckt, hält sie für ebenso fraglich wie ein Aufstocken der Förderung für eine bezahlte Stelle, die über die Büro-Unterstützung von Margret Krüger hinausgeht.
 Aber Dorothee Schumacher gibt nicht auf. Sie will weiter das Gespräch suchen – auch mit der Kirchengemeinde und dem Bürgermeister. Der hebt gegenüber der PZ hervor, dass „Musik aus Dresden“ seit Jahrzehnten das kulturelle Leben Birkenfelds bereichere. „Die Gemeinde hat die Konzertreihe und das Wirken des Fördervereins  finanziell, organisatorisch und räumlich unterstützt und wird dies – im Rahmen der Vereinsförderung – auch weiter gerne tun“, so Martin Steiner.
 Das Ende ihrer Tätigkeit vor Augen, wäre es ihre größte Freude, wenn nun wenigstens mit dem Konzert der Octavians am 19. Juni im Hof des Schlosses Bauschlott der Start für die restlichen vier geplanten Konzerte klappt.

Pforzheimer Zeitung 21. April 2021

 

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