Pressestimmen

 


Veranstaltungen 2018


Älter als die Rolling Stones
Elb Meadow Ramblers stehen seit 1955 auf der Bühne

 

„Wir spielen jetzt um zwölften Mal bei „Musik aus Dresden, so langsam gehören wir zum Inventar“ meinte Frank Bartsch, Trompeter der Elb Meadow Ramblers (zu deutsch: Elb-Wiesen Spaziergänger) am Samstagabend. Dem setzte Dorothee Schumacher, künstlerische Leiterin der besagten Birkenfelder Konzertreihe, das Sprichwort „Freundschaft ist die Blüte des Augenblicks und die Frucht der Zeit" entgegen, getreu dem Motto: Wer eine sechsstündige Fahrt von Dresden in den Enzkreis auf sich nimmt, der ist auch ein 13. Mal gerne hier gesehen.

Mit 170 Besuchern hatten sich erfreulich viele Personen im Pausenhof der Ludwig-Uhland-Schule eingefunden. Swing und Dixieland bei sommerlichen Temperaturen und gemütlichem Hocketse Flair: Ja, das hatte schon was! Da durfte man sich mal selbst ein wenig loben, wie Frank Bartsch es gerne tat: „Wir wurden 1955 - allerdings in anderer Besetzung - gegründet und sind da mit die älteste Band aus Ostdeutsch land." Zum Vergleich: Die Rolling Stones erblickten erst 1962 das Licht der Welt. Von Generation zu Generation wurde der Stab dann weitergereicht, bis am Samstagabend eine siebenköpfige Formation auf der Bühne des Birkenfelder Schulgebäudes stand.

Diese legte bereits mit den ersten Takten los wie die Feuerwehr: „Swinging The Blues" und „Swanee River" wurden angespielt, um damit ein wahres Feuerwerk an Rhythmus und guter Laune zu entfachen. Mal hieß es „The jeep is jumping", mal schlicht „Jeep Blues" von Seiten der Band, die schon den Jazz in den Osten Europas brachte: Unter anderem wurden Polen, Tschechien, Bulgarien oder Ungarn als Tourdaten im 63-jährigen Dasein der Elb Meadow Ramblers genannt. Mit Stücken von George Gershwin, Louis Armstrong und Duke Ellington ging es am Samstagabend weiter - bereits zum Auftakt hatte der regionale Jungmusiker Richard Babichev Appetit auf die bevorstehen den zwei Stunden gemacht.

Dieser wechselte mit jedem neuen Stück das Musikinstrument: „Snowball On The Rocks" oder „Rabbit" von Paul Harvey gab es zu hören, die auf der Oboe, der Trompete und dem Saxofon zu ihrer hörgerechten Vertonung fanden.
Alexander Jähne/Pforzheimer Kurier





Ein Sommerabend mit Liedern, Duetten und Arien

Viel Glanz mit Mezzosopranistin Atanasov und Bariton Scheibner

Zuerst vergöttert, später verpönt: Kastraten waren im 17. und 18. Jahrhundert wegen ihrer reinen, schönen und perfekten Stimme gefragt. Im jungen Alter wurden Männer kastriert, um ihre hohe Knabenstimme zu bewahren. Auch Haydn und Rossini wären beinahe „sopranisiert“ worden, hätten sich nicht der Vater des einen und die Mutter des anderen dagegen gewehrt. Das Gedicht „Doch die Kastraten klagten“ von Heinrich Heine inspirierte Mezzosopranistin Stephanie Atanasov und Bariton Andreas Scheibner zum gleichnamigen Liederabend bei Musik aus Dresden. Mit Arien und Duetten entführen die gefragten Sänger mit dem souveränen und sehr feinsinnigen Korrepetitor Jobst Schneiderat in die Blütezeit des Belcanto und Kastratenwesen. Alle drei Musiker waren mehrfach in Birkenfeld zu Gast. Zupackend zeigt sich der Bariton nach dem Vorkonzert des talentierten Musikschulensembles „Fleur Rouge“ in der evangelischen Kirche – mit Händels heiterer Arie „Wie des Wasserfalls schäumende Wogen“ aus „Guilio Cesare in Egitto“. Viel Hintersinniges weiß der Sänger zu erzählen. Über den berühmten Kastraten Farinelli etwa, der an den Hof des spanischen Königs Philipp V. berufen wurde, um diesen wieder zum Waschen, Rasieren und Regieren zu bewegen. Dass auch Vivaldi dem Kastratentum verfallen war, zeigt die Mezzosopranistin am Beispiel der Alt-Arie des Königs, „Gelido in ogni vena“, aus der Oper „Farnace“. Mit viel Gefühl und Raffinesse gestaltet Atanasov ihr Solo. Überhaupt überzeugt die zierliche Sängerin mit ihrer warmen, klaren und technisch höchst bemerkenswerten Stimme. Der Bariton zeichnet sich zudem durch Kraft, Witz und Charme aus. So überreicht er bei dem Walzerlied „Dunkelrote Rosen“ von Millöcker einen Strauß an Vereinsvorsitzende Annette Becht-Fedon zum Geburtstag.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung



Wehmut in Birkenfeld:
Herkuleskeule-Urgestein Rainer Bursche verabschiedet sich

 


Gegen Ende wird es plötzlich still. Rainer Bursche tritt allein auf die Bühne und stimmt ein wehmütiges Lied an. „Nun sitz ich hier in meinem letzten Programm, was fang ich dann an?“, fragt das Urgestein der Herkuleskeule Dresden. Mehr als 25 Jahre hat er auf dem Buckel, verabschiedet sich mit „Lachkoma“ nun von der Keule-Bühne. Ein, zwei Jahre wird der 69-Jährige damit noch unterwegs sein – dann ist Schluss.

Kaum vorstellbar, wenn man ihn in der gut besuchten Aula der Ludwig-Uhland-Schule Birkenfeld so sieht. Spitzbübisch, scharfzüngig und herrlich begriffsstutzig setzt der Sachse seine trockenen Pointen, ist mit Hosenträgern und grauem Schnauzer der alte Hase zwischen den zwei neuen Kollegen Anna Lehmann und Alexander Pluquett, die ihn „Kabarett-Opa“ nennen. Es ist Rainer Bursches zehntes und letztes Gastspiel bei Musik aus Dresden, herzlich nimmt er die künstlerische Leiterin Dorothee Schumacher noch einmal in den Arm.
Er reißt im Best-of-Programm „Lachkoma“ mit aufgearbeiteten Themen, neuen Texten und Liedern Witze über Amerikaner, Ossis und Wessis oder Rechtspopulisten. Warum Trump immer Videos der Olympischen Sommerspiele anschaut? „Weil er sehen will, wie hoch die Mexikaner springen können.“ Oder was eine Blondine zwischen zwei AfD-Wählern ist? „Nicht die Dümmste.“ Brisant sind viele Nummern, zum Totlachen oder Hinterfragen. Merkel, Schulz und „der böse Putin“ werden genauso auf die Schippe genommen, wie das Bildungssystem, der Fortschritt und die vernetzte Welt – „so verwanzt war unsere Welt noch nie“.

Wie es früher in der DDR gewesen sei, wollen Lehmann und Pluquett von Bursche wissen. „Furchtbar“. Und heute? „Furchtbar“. Die Politik, dass es keine Hamsterkäufe mehr gebe, dass alle wählen können – alles furchtbar. Selbst die eigene Frau am Steuer. Pluquett hatte von der Unterdrückung der Frau in Saudi-Arabien erzählt, die dort nicht Autofahren dürfe. „Die Weltbevölkerung besteht zu 98 Prozent aus Ausländern“, meint Bursche. Ob er nicht Pegida-Anhänger sei, kontert sein Kollege. „Ich bin ein besorgter Bürger“, so der Langzeitkomödiant, der mal den „Hinterbänkler-Blues“ über Politiker in der letzten Reihe anstimmt, mal die Armut und verlogene Spendenmanier im reichen Deutschland anprangert.

„Wir helfen Ausländern doch gerne – wenn sie weit weg sind“, sagt Anna Lehmann, die als Nicole auch „Ein bisschen Krieg für deutsche Waffenspiele“ singt und mit Pluquett die Seile beim politisch umgedichteten Dschingis-Khan-Lied auf die Stühle peitscht. Modern begleitet wird das Trio von Thomas Wand am Klavier, Keyboard und mit allerlei synthetischen Klängen. In den Abend eingestimmt hat das Klarinetten-Trio der Jugendmusikschule Neuenbürg, Nick Gengenbach, Felix Ladenburger und Alexander Gorbachev. Kräftiger Applaus.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung





Wandelbares in Musik und Wort
Auftakt von "Musik aus Dresden" mit Preisträgern und Vortrag - Spannendes über den Maler Gerhard Richter


Eine große Bandbreite künstlerischen Könnens zeigt sich beim Auftakt von „Musik aus Dresden" in der Aula der Ludwig-Uhland-Schule Birkenfeld. Zunächst in„ den beeindruckenden Darbietungen der jungen Preisträger der Jugendmusikschule Neuenbürg -Birkenfeld, die beim Regional- und teils auch beim Landeswettbewerb von „Jugend musiziert" erfolg reich waren. Aber auch im Vortrag von Claudia Baumbusch, die über Leben und Werk des zeitgenössischen Malers Gerhard Richter referiert.
„Das Einzige, was bei Richter Bestand hat, ist der Wandel", sagt die Kunsthistorikerin über den 1932 in Dresden geborenen Künstler, der zu den höchst dotierten zählt. In seiner Heimatstadt lebt Richter schon lange nicht mehr. Was ihn aber prägte, war die gediegene, wenn auch nicht freie Ausbildung in der ehemaligen DDR, wendet er sich doch immer wieder der gegenständlichen Malerei zu. „Als er 1961 nach Düsseldorf in den Westen floh, geriet er in einen Strudel von Innovation und Experimentierfreude", so Baumbusch. Er lässt sich darauf ein, malt abstrakt, nimmt Fotografien als Vorlage, verwischt und verfremdet sie. Bei dem 1962 entstandenen Bild „Party" kippt er die Stimmung durch blutige Narben, einer scheinbar heilen Familienwelt setzt er Federschleier da vor. Aber nicht nur: Mit einem realen Akt bildet er seine erste von drei Frauen ab - „das war in Düsseldorf Protest pur". Eine Farbarbeit ist das prominente Richter-Fenster von 2007 im Dom von Köln, wo der Künstler heute lebt. In den 1970er-Jahren findet dieser vom Grau zu einer neuen Technik mit eigenwilligen Strukturen und übereinandergelegten Farbschichten. „Er macht vor nichts Halt", sagt die Kunsthistorikerin, auch nicht vor der Baader-Meinhof-Vergangenheit, die er in fünfzehn Werken verarbeitete. Mit Dresden habe der Maler nun seinen Frieden gemacht, das nach ihm benannte Archiv sei hier beheimatet.

Auf hohem Niveau

„Üben, üben, üben" mussten die Preisträger der Jugendmusikschule Neuenbürg für ihre Wettbewerbe, sagt die Künstlerische Leiterin von „Musik aus Dresden" Dorothee Schumacher. Die Mühe hat sich gelohnt: Auf hohem Niveau zeigen die acht- bis 16-jährigen Nachwuchsmusiker ihr Talent auf Blas- und Tasteninstrumenten. Julius Dauphin glänzt mit warmem Trompetenton bei einem Andante von Haydn, die Blockflötistinnen Luisa Eiche und Valerie Walde mit je einem heiteren, ta dellos gespielten Stück eines modernen Komponisten. Florian Zilly begeistert pfiffig auf zwei Flöten gleichzeitig, ebenso Viktoria Wal de bei dem rhythmischen Stück „Ende" von Louis Andriessen. Vierhändig am Klavier bringen Charis-Joy Oelschläger und Deniz Bay tänzerischen Schwung in den Saal. Während Lorena Aldinger mit dem zweiten Satz aus Mendelssohns „Klarinettensonate" bezaubert, verblüfft der zierliche Franz Ladenburger am Euphonium mit tiefen, melodischen Klängen. Mit dabei sind auch drei Saxofonisten: Colum Duggan, der einen flotten, prägnanten Tanz meistert, Richard Babichev, der schnell, differenziert und mitreißend spielt, und Nick Gengenbach, der als einziger auch zum Bundeswettbewerb in Lübeck weitergeleitet wurde. Sehr rasant und kraftvoll bewältigt der 16-Jährige die anspruchsvollen Läufe beim dritten Satz aus Paul Crestons Sonate für Saxofon und Klavier, ist mal sprunghaft, mal fließend weich. Die Begleitung am Klavier liegt vor allem in Händen von Frank Goebel, einmal auch von Ulrike Sparn und Evelin Grizfeld.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung

 

 

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