Pressestimmen

 


Pressestimmen zum  Abschied "Musik aus Dresden" 2022



 Dorothee Schumacher

Dorothee Schumacher über 40 Jahre „Musik aus Dresden“: „Ich habe ganz blauäugig zugesagt“

 

Sie ist eine Kulturmanagerin par excellence, für ihr Jahrzehnte langes ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet: Dorothee Schumacher – Kopf und Herz von „Musik aus Dresden“. Die Konzertreihe in Birkenfeld, die nach über 40 Jahren zu Ende geht. Denn ein Nachfolger für Dorothee Schumacher ist nicht in Sicht.

PZ: Am 19. Juni findet das „Abschiedskonzert“ statt: Abschied von 40 Jahren „Musik aus Dresden“ und Abschied von Star-Trompeter Ludwig Güttler. Wie fühlt sich das an?

Dorothee Schumacher: Nur ein klein wenig wehmütig. Güttler ist ja gerade auch auf Abschiedstournee. Er hat unsere Konzertreihe geprägt, kommt seit 1981 nach Birkenfeld. Ich hatte, als ich die Konzertorganisation übernahm, einen Heidenrespekt vor ihm. Er war ja ein internationaler Star. Wir haben seit Jahren ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis. Ich bin sicher, ich werde auch weiterhin mit ihm und vielen anderen Künstlern unserer Reihe in Verbindung bleiben

Was wird Ihnen fehlen?

Vor allem die Gespräche mit den Künstlern und den Besuchern nach den Konzerten werde ich vermissen. Wenn ich gekocht hatte für die Musiker und wir noch zusammensaßen, haben wir – manchmal bis in die frühen Morgenstunden – über Gott und die Welt geredet.

Wie haben Sie die vielen Übernachtungen gemanagt?

Bis vor etwa fünf Jahren waren die meisten Künstler bei uns untergebracht. Große Ensembles dann in ganz Birkenfeld. Angefangen beim Thomanerchor bis zum Kreuz- und Kammerchor. Alle haben privat gewohnt. Ich bin sehr dankbar, dass immer so viele Menschen dazu bereit waren. Aber auch die haben immer gesagt: Es war eine Bereicherung. Wenn im Juni die Ferien in Sachsen begonnen haben, gab es oft hier ein Konzert. Die Künstler blieben dann eine Weile bei uns, ehe sie in Urlaub weitergefahren sind. Kurt Sandau, damals erster Trompeter der Dresdner Staatskapelle, hat seinen Wohnwagen in unseren Garten gestellt und mit seiner ganzen Familie Ausflüge unternommen.

Mit welchen Künstlern sind sie besonders verbunden?

Mit der Sängerin Elisabeth Wilke verbindet mich eine enge Freundschaft: Wir waren bei ihrer Hochzeit und vielen Geburtstagen eingeladen, sie war bei der Hochzeit unserer Tochter und bei unseren Geburtstagen zu Besuch. Und ihr Mann Jobst Schneiderat hat mir gerade am Anfang sehr geholfen. Er kennt die Dresdner Musikszene bestens und hat mir gute Tipps gegeben oder von manchen Musikern auch abgeraten.

Wie sind Sie überhaupt in diese Musikwelt hineingewachsen?

Na ja, ich bin eher hineingeschleudert worden. 1986 habe ich angefangen. Pfarrer Hans Haag, hatte – was vor der Wende nicht einfach war – immer wieder einzelne Künstler oder Ensembles aus Dresden eingeladen. Als er krank wurde, kam überraschend ein Anruf aus dem Krankenhaus: „Gell, Frau Schumacher, sie übernehmen den Termin heute Abend.“ Ich hatte natürlich ziemliches Bauchweh: Begrüßen, um die Autorin Maria Beig und Konzertbesucher kümmern … Die Schriftstellerin hat dann bei uns übernachtet, zusammen mit meinen Kindern zu Abend gegessen. Es war ein gelungener Einstand. Als Herr Haag in Ruhestand ging, war das Bedauern groß, dass dieses Kulturangebot enden sollte. Als ich gefragt wurde, meinte ich, ich könne es ja mal versuchen.

Und wie war der Einstand?

Der fiel 1989 mit der Wende zusammen. Vorher hatte das Innerdeutsche Ministerium bei größeren Konzerten die Kosten übernommen. Das fiel nun weg. Ich bekam die kirchlichen Räume kostenlos zur Verfügung gestellt, aber sonst gab es keinen Unterstützung. Zum Glück hat der damalige Landrat Werner Burckhart einen Zuschuss gewährt – mit dem guten Rat, gleich auch beim Birkenfelder Bürgermeister Reiner Herrmann anzuklopfen. Er war sehr aufgeschlossen, sodass ich eine Konzertreihe starten konnte. Und dank der Abonnenten hatte ich dann immer eine fixe Summe in der Kasse. Es begann mit 25 Besuchern, inzwischen füllt „Musik aus Dresden“ auch große Hallen.

Wann ging es denn richtig los?

Das war 1993 mit dem Thomanerchor. Zwischen zwei Konzerten war noch ein freier Termin, den wir kostengünstig buchen konnten. Allerdings nur, wenn wir 92 Kinder und zehn Begleitpersonen unterbringen und verköstigen. Ich habe ganz blauäugig zugesagt. Die privaten Übernachtungen in Birkenfeld haben prima geklappt. Aber wo sollten alle essen? Ich habe bei der Hochschule angerufen, sie hat die Mensa für uns geöffnet. Es war ein wunderschönes Konzert, alle waren begeistert.

Wie hat sich das Angebot auch räumlich ausgeweitet?

Ich habe relativ schnell gemerkt, wenn ich reine Kirchenkonzerte mache, sind die Kirchenstufen für manche Menschen zu hoch. Als das Gemeindehaus umgebaut wurde, sind wir auf andere Orte ausgewichen: ins Autohaus, in die Sparkasse und ins Reuchlinhaus Pforzheim, ins Schloss Neuenbürg, in die Kelter in Gräfenhausen. Das hat uns natürlich auch einen neuen Besucherkreis erschlossen. Aber es blieb schwierig.

Wie konnte das auch finanziell gestemmt werden?

Im Jahr 1998 war Ludwig Güttler mal wieder zu Gast und er meinte: „Wenn man in Deutschland nicht mehr weiterweiß, gründet man einen Verein.“ Wir hatten wie immer ein geselliges Treffen nach seinem Konzert, zu dem auch Menschen, die mich unterstützten, eingeladen waren. Da drehte Güttler seinen Programmzettel um und sagte: „Alle die jetzt hier sitzen, unterschreiben.“ Und so gab es die ersten 15 Mitglieder des Fördervereins, der am 13. Februar 1998 offiziell gegründet wurde.

Gibt es überhaupt etwas, was Ihnen nicht gelungen ist?

Ja, und das bedauere ich immer noch. Mit Elisabeth Wilke, die Professorin am Mozarteum in Salzburg ist, entstand die Idee, einen Meisterkurs für junge Sängerinnen und Sänger anzubieten. 2011 hat das auf Schloss Neuenbürg dann geklappt, mit zwölf Studierenden, die zwei schöne Konzerte im Schloss und in Birkenfeld gegeben haben. Wir hatten schon Pläne für die nächsten Jahre, aber leider hat der Freundeskreis von Schloss Neuenbürg nicht mehr mitgemacht. Absolventen des Meisterkurses singen jetzt an der Oper Hamburg oder der Wiener Staatsoper.

An welche Erlebnisse erinnern Sie sich gerne zurück?

Immer schön war es mit Ludwig Güttler. Er reiste einen Tag vorher an und war dann bei uns zum Essen eingeladen. Er kocht übrigens auch sehr gut. Ich stand einmal in der Küche und machte gestampfte Kartoffeln, als er reinkam und zupackte: „Mädel, ich hab mehr Kraft als du.“

Was steht in der nun vermehrten Freizeit an?

Mir wird bestimmt nicht langweilig. Ich habe immer mit der Bücherei kooperiert, vielleicht gibt es bald mal wieder einen Büchertermin in meinem Garten. Zudem liest meine Mutter, die bald 102 Jahre alt wird, unheimlich viel und wir sprechen regelmäßig über ihre Lektüren. Ich organisiere weiterhin die Treffen der Klassenkameraden meines vor zwei Jahren verstorbenen Mannes und des Kirchenkreises. Außerdem habe ich drei Enkelkinder in Darmstadt, mit denen ich gerne reisen werde.

Über Dorothee Schumacher

  • 1942 geboren und aufgewachsen in Bad Wildbad
  • 1967 Heirat in Bad Wildbad
  • 1971 Geburt von Sohn Andreas
  • ab 1971 großes ehrenamtliches Engagement in der Kirchengemeinde Birkenfeld, unter anderem als Kirchengemeinderätin und in der Erwachsenenbildung
  • 1975 Geburt von Tochter Katrin
  • ab 1986 Tätigkeit im Pfarramt Birkenfeld, zuvor schon Unterstützung von Pfarrer Haag bei kulturellen Veranstaltungen.
  • Organisation, Übernahme der Konzerte und Ausbau zur Konzertreihe „Musik aus Dresden“
  • 2015 Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande.

 

Sandra Pfäfflin, Pforzheimer Zeitung



Pforzheimer Zeitung

 

Pforzheimer Kurier



 

Musik aus Dresden verklingt nach 41 Jahren

Kein Nachfolger für die Leiterin / Trompeten – Virtuose schließt beim Abschluss den Kreis

In Birkenfeld wird die „Musik aus Dresden“ in wenigen Tagen endgültig verklingen, der sie tragende Förderverein wird aufgelöst. Nach fast vier Jahrzehnten tritt die künstlerische Leiterin Dorothee Schumacher zurück. Ein Nachfolger hat sich nicht gefunden. Deshalb wird sich der Kreis am 19. Juni mit dem offiziellen Abschiedskonzert schließen.
   Zu Gast sein wird dann mit Ludwig Güttler einer der weltweit führenden Trompeten-Virtuosen, für den dieses Konzert zugleich eine wichtige Station seiner Abschiedstournee ist. Güttler ist Birkenfeld verbunden, seit er Anfang der 1980er Jahre vom damaligen Pfarrer Hans Haag eingeladen wurde und seither ein ebenso regelmäßiger wie auch gern gesehener Gast war.
   „Eine leichte Wehmut ist natürlich mit dabei“, räumt Schumacher – mit Blick auf dieses letzte Konzert – im Gespräch mit dieser Redaktion ein. Fehlen werden ihr die Begegnungen und Gespräche mit den Künstlern. „Das war immer eine unheimliche Bereicherung.“ Ganz werden die Kontakte aber nicht abreißen, auch wenn sie als künstlerische Leiterin aufhören wird. „Es haben sich viele persönliche Freundschaften entwickelt“, die sie natürlich weiter pflegen wird. Dann wird man sich sicherlich auch gerne an die Besuche bei ihr zu Hause erinnern, wie sie die Künstler bewirtet und ihnen in Birkenfeld eine zweite Heimat gegeben hat, sei es wenn sie anfangs bei ihr im Haus übernachtet haben, sei es, wenn sie im Garten gezeltet haben.
   Die viele Arbeit aber, die mit der Organisation von solchen Konzerten verbunden ist, um die muss sie sich zukünftig nicht mehr kümmern. „Jetzt kann ich mich in ein Konzert rein setzen und die Musik genießen“, freut sie sich schon. Schumacher weiß aber auch darum, dass das Bedauern in der Gemeinde um ihr Aufhören ebenso groß ist, wie um die Tatsache, dass sich keiner gefunden hat, der ihr Amt und die damit verbundenen Aufgaben übernimmt.
    "Ich habe immer gesagt: Für die Birkenfelder war es so, dass sie fast mit den Hausschuhen in ein hochklassiges Konzert gehen konnten“, weiß Schumacher um die Beliebtheit der Konzertreihe. „Vor allem waren unsere Preise immer sehr human, weil mir wichtig war, dass es sich jeder leisten kann.“ Das soll auch am 19. Juni wieder so sein. Damit möglichst viele Zuhörer kommen können, ist man extra von der Kirche in die Schwarzwaldhalle umgezogen.
   Freuen dürfen sich die Besucher beim offiziell letzten Konzert dann auf barocke Bläsermusik, auf Werke von Johann Sebastian Bach oder Henry Purcell. „Das ist natürlich die Spezialität vom Ludwig Güttler, der die Barockmusik mit seinen Ensembles gepflegt hat“, bemerkt Schumacher. In Fachkreisen gilt er ohnehin als bester Bach-Trompeter weltweit. Seine enge Verbundenheit zu Birkenfeld drückt der Trompeten-Virtuose auch mit einem Grußwort aus, in dem er Schumacher mit Blick auf die Konzertreihe persönlich dankt, dass sie geholfen hat, „diese Blume zum Blühen zu bringen“. Die Birkenfelder Musikinteressierten hätten den Dialog mit den Musikern aus Dresden „nach Kräften befördert“. Nur so sei es möglich gewesen, dass auch große Namen wie Gunter Emmerlich nach Birkenfeld kamen.
   Auch wenn die „Musik aus Dresden“ in Birkenfeld verklungen und Dorothee Schumacher nicht mehr künstlerische Leiterin sein wird, ganz auf ihre Hilfe verzichten muss man nicht. Aus Straubenhardt wurde sie schon angefragt, ob sie mit ihren Kontakten zur Seite stehen kann, um etwas für das dortige Kulturleben zu tun.
Da würde sie natürlich vermitteln, kündigt Schumacher an. Und auch die Kirchengemeinde kann weiter auf sie zählen, wenn sie mal Hilfe beim Organisieren eines Kirchenkonzerts braucht. „Das würde ich natürlich tun“, versichert sie. „Das ist bei einem Konzert dann auch kein so ein großer Aufwand“ – anders eben als bei einer ganzen Konzertreihe, die intensiv geplant und vorbereitet werden muss.

Stephan Friedrich, BNN


„Das Ende naht – kaum zu glauben“

Wie schön, dass die Kirche noch mal richtig voll ist. Und wie schade, dass Konzerte von Musik aus Dresden hier künftig nicht mehr erklingen werden. Kaum zu glauben, dass die stets mit Herzblut, hoher Qualität und persönlich gepflegtem Kontakt zu Künstlern und Publikum nun zu Ende gehen soll. In Erinnerung bleiben tolle Abende mit den Dresdner Salondamen im Autohaus, mit Künstlern der Semperoper im Rathaus, mit Kammersängerin Elisabeth Wilke und Solorepetitor Jobst Schneiderat, mit Jazz auf dem Schulhof oder Kabarett der Herkuleskeule in der Aula, mit glanzvollen Pauken, Trompeten und Dresdner Stollen zur Weihnachtszeit, mit Tangos, Musik aus aller Welt, wunderbaren Kammer- und Kinderkonzerten – und eben auch mit dem Calmus Ensemble.

Anita Molnar,  Pforzheimer Zeitung

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